Beim Teutates, das muss diesen Filmproduzenten auch erst mal einer nachmachen. Mit der größten und teuersten Darsteller-Armee seit der Schlacht bei Gergovia, mit dem größten Veranstaltungsetat seit Caesars Triumphzug durch Rom 46 v. Chr. und der witzigsten Geschichtsbuch-Vorlage seit "De bello gallico" haben sie den langweiligsten und witzlosesten "Asterix"-Film aller Zeiten gedreht - ein künstlerisch derart misslungenes, ödes, uninteressantes Spektakel, dass der Kinobesucher nach dem Abspann jedem Verantwortlichen dafür sofort einen Sonderurlaub im Circus Maximus spendieren möchte, und zwar unten in der Arena, bei den Löwen. Oder wie sich der Chef der Goten, Cholerik, an anderer Stelle auszudrücken pflegt: "Bei uns wurden schon Leute aus geringeren Gründen gevierteilt.""Asterix bei den Olympischen Spielen" ist die dritte Realfilm-Version eines Asterix-Comics nach "Asterix & Obelix gegen Caesar" (1999) und "Asterix und Kleopatra" (2002). Schon die beiden ersten Versuche misslangen, weil die Drehbuchautoren kein künstlerisches Rezept für die Umsetzung der Comic-Vorlagen fanden: Es gelang ihnen nicht, aus den verdichteten Geschichten weiter ausholende Filmepen zu schaffen; René Goscinnys einst so wunderbare Verbindung von bildungsbürgerlichen Distinktionswitzen und voraussetzungsfreiem Abenteuerspaß wurde zu einem weithin "Asterix"-fremdem Haudraufundschluss-Humor nivelliert."Asterix bei den Olympischen Spielen" ergänzt das stumpfe Gekloppe nun noch um eine uninteressante Liebesgeschichte, die Anlass zu allerlei nervtötenden Anal- und Kopulationswitzen bietet. Mit seiner Vorlage hat der Film ansonsten, abgesehen vom Schauplatz, nichts Nennenswertes gemein. Zwar ziehen die gallischen Krieger auch hier nach Athen zu den Olympischen Spielen, um den dort ebenfalls antretenden römischen Legionären eine Niederlage zu bereiten. Doch kapriziert sich die Story zum weit überwiegenden Teil auf die hinzuerfundene Romanze: Ein bisher unbekannter Bewohner des gallischen Dorfes mit dem romanzenangemessenen Namen Romantix (romanzenfrei dargestellt von Stéphane Rousseau) hat sich in die griechische Prinzessin Irina verliebt, die von ihrem Vater allerdings bereits dem römischen General Brutus (Benoît Poelvoorde) versprochen wurde. Irina will ihre Hand nun demjenigen gewähren, der die Olympischen Spiele gewinnt. Unter den Augen von Caesar (doof: Alain Delon) versucht Brutus daher mit allen erlaubten und nicht-erlaubten Tricks, seinen Nebenbuhler auszuschalten; auch ein - Achtung, jetzt kommt eine zeitgeschichtliche Anspielung - "Elixier pro Olympia", abgekürzt EPO, wird in diesem Zusammenhang eingesetzt.Asterix wird in diesem Film zum ersten Mal von Clovis Cornillac gespielt, der den pfiffigen Krieger zu einem hysterischen Zwerg mit Schmunzelstarre unter dem Schnurrbart regredieren lässt; Gérard Dépardieu spielt sich als Obelix gewohnt albern-desinteressiert durch die sehr teuren Dekors und spektakulären Effekte. Am allerspektakulärsten ist freilich die Talentlosigkeit der Darstellerin von Irina. Vanessa Hessler kannte man bislang nur als Model für die Kampagne eines Telefon-Flatrate-Anbieters. Aber während man in die Filmbranche übergewechselte Models sonst dafür kritisiert, dass sie nur zwei Gesichtsausdrücke besitzen - "an" und "aus" -, beherrscht Hessler nicht einmal einen. Sie befindet sich gewissermaßen in einem dauernden Schauspiel-Stand-by - egal, ob sie Verliebtheit, Keckheit, Bedächtigkeit oder Zorn mimisch unter die Leute bringen soll.Welcher Zaubertrank einen gallischen Mann dazu führt, sich in einen intellektuell und gefühlsmäßig derart paralysierten Toga-Ständer zu verlieben, mag einen interessanten Fall für das nächste Druidentreffen im Karnutenwald abgeben. Der Kinozuschauer windet sich hingegen unentwegt vor Scham ob der dilettantisch chargierten Liebesszenen und Romantix' öder Rangelei mit seinem Nebenbuhler. Und als die ganze Sache endlich erledigt scheint, wird auch noch - statt des gallischen Festmahls, das in diesem Film ebenso fehlt wie die obligatorische Begegnung mit dem Piratenschiff - eine endlose Athleten-Party hintendran gehängt, bei der lauter Stars und Sternchen der europäischen Sportindustrie 2008 n. Chr. von Michael Schumacher bis Zinédine Zidane ihre viel zu oft gesehenen Gesichter in die Kamera halten.Lobenswert ist lediglich die besondere Behandlung, die Michael "Bully" Herbig als Zenturio Redkeinstus widerfährt: Ihm ist das Witzereißen vergangen, seit sein Chef ihm dereinst die Zunge herausschnitt. Das ist gerecht und lustig! Ansonsten sollte der Asterix-Freund seine Sesterzen lieber zum Comic-Händler tragen als an die Kinokasse. In "Asterix bei den Olympischen Spielen" erlebt die gallische Gemeinde ihr Alesia; und da hilft es auch nichts, wenn man hinterher sagt: "Alesia? Ich kenne dieses Alesia nicht!"------------------------------Asterix bei den Olympischen Spielen Frankr./Dtl./Spanien 2008. Regie: Frédéric Forestier, Thomas Langmann, Drehbuch: Thomas Langmann, Olivier Dazat, Alexandre Charlot, Franck Magnier: Darsteller: Clovis Cornillac, Gérard Depardieu, Alain Delon, Benoît Poelvoorde, Stephane Rousseau, Vanessa Hessler, Michael Bully Herbig u. a.; 117 Minuten; Farbe.------------------------------Foto: Dick? Wer ist hier dick? Romantix (Stéphane Rousseau), Asterix (Clovis Cornillac) und Obelix (Gérard Depardieu) (v. l.).Foto: Ohne Witz: Asterix (Clovis Cornillac) und Obelix (Gérard Depardieu).Foto: Ohne Skrupel: Caesar (Alain Delon).Foto: Ohne Zunge: Redkeinstus (Michael "Bully" Herbig)