"Ich sammele Tankläger", sagt Jürgen Nottmeyer, Geschäftsführer des Treuhänderischen Entwicklungsträgers (TET) der Wasserstadt Berlin-Oberhavel. Seit gestern besitzt Nottmeyer schon zwei Stück. Mit ihrer Unterschrift besiegelten Nottmeyer und Sven Thiessen, Logistiker der Shell AG, folgenden Vertrag: 135 000 Quadratmeter Fläche am Salzhof in Haselhorst gehen in Besitz des TET über. Bereits im Mai vergangenen Jahres hatte Esso ein 11,4 Hektar großes Gelände den Wasserstadtplanern übergeben.Bis zum Frühjahr sollen nun auch die 35 Shell-Tanks mit einem Volumen von insgesamt 331 000 Kubikmetern abgerissen sein. Der Clou: Eine Sanierungsfirma arbeitet kostenlos. Als Gegenwert bleibt den Geschäftsleuten das Material. Silos sind bereits gereinigt Shell hat schon vorgearbeitet: "Wir haben die Tanks gereinigt und gasfrei gemacht. Auch die Leitungen sind gespült", sagte Thiessen. Der Ölkonzern ließ sich das vom TÜV Berlin/Brandenburg bestätigen.Danach müssen Techniker am Salzhof den unter anderem mit Arsen vergifteten Boden sanieren, damit voraussichtlich Anfang 1997 mit dem Bau von Wohnungen begonnen werden kann. Doch noch hat der TET keinen Käufer für das insgesamt 22 Hektar große Gelände, das den Entwicklungsträger mehr als 200 Millionen Mark gekostet hat. Damit allein die Zinsen zu Lasten der öffentlichen Hand nicht in astronomische Bereiche steigen, will Nottmeyer das Gelände so schnell wie möglich verkaufen.Bis dahin geht aber schon einmal die Arbeit an der Nordbrücke weiter. Als das Gelände noch vollständig Shell unterstand, legten Fachleute ein erstes Brückenteil auf der Ostseite der Havel an. Selbst gestern bei eisigem Wasser ging es weiter. Ein Bagger barg Eisbrocken aus einem künstlich angelegten Becken. Als wolle man zeigen, es geht voran.Nottmeyer und Baustadtrat Thomas Scheunemann (SPD) verhehlten ihre Freude über die Arbeit nicht: "Diese Brücke und die Räumung von Shell sind ein entscheidender Schritt für die Wasserstadt. Wenn sich hier nicht so rasch etwas bewegt hätte, wäre auch Siemens auf der anderen Havelseite nicht so schnell gewesen. Ein Blick von dieser 1-A-Lage auf ein Tanklager; das wäre nicht gegangen", so Nottmeyer. Weniger Verkehrslärm Scheunemann ergänzt: "Bei aller Diskussion über die Haushaltslage in Berlin: Hier darf es nicht zu einer Verschiebung oder Streckung der öffentlichen Bauvorhaben kommen. Wenn wir das Gelände nicht schnell vermarkten, wäre das ein klassischer Fall vom Sparen an der falschen Stelle. So etwas würde nur enorm viele Zinsen kosten", so der Stadtrat.Auch für die Haselhorster tritt bald eine spürbare Veränderung ein. Nach Nottmeyers Angaben nimmt die Lärmbelastung durch die Güterzüge ab. "Es fahren jetzt keine Industriezüge mehr zur Nonnendammallee", so Nottmeyer. Lediglich zum Abtransport des Materials soll neben Schiffen auch noch die Eisenbahn eingesetzt werden. +++