GRAZ, 28. Februar. Mit den Zähnen löste Franz Fuchs die Isolierung vom Kabel seines Rasierapparates, band den Draht zur Schlinge und hängte ihn an einen Haken neben der Zellentür. Dann ließ sich der 50-jährige Mann mit ganzer Wucht in die Schlinge fallen. So ergab es die Rekonstruktion der Gefängnisleitung in Graz-Karlau, einem Hochsicherheitsgefängnis, in dem 420 schwere Straftäter, unter ihnen 80 Lebenslängliche, einsitzen. Als am Sonnabend um ein Uhr mittags ein Vollzugsbeamter durch den Spion blickte, war der Bombenbastler und vierfache Mörder, der Österreich über Jahre in Atem gehalten hatte, schon tot.Offen ist allein die Frage, ob der Haken an der Wand, an dem normalerweise ein Kästchen befestigt war, frei hing oder ob Fuchs das Kästchen abgenommen hat. Weitere Untersuchungen seien nicht geplant, teilte das Justizministerium in Wien mit, nachdem der Leichnam obduziert worden war. Es sei "Teil des menschlichen Lebens, dass es Situationen gibt, die nicht vorhersehbar sind", philosophierte der zuständige Abteilungsleiter. Anzeichen für Fremdverschulden gebe es nicht, offenbar auch keine Helfer.Psychologisch plausibler SuizidAnfänglich hatte es noch Erstaunen ausgelöst, dass ein Mann ohne Hände sich aus eigener Kraft den Tod gegeben haben sollte. Aber bereits am Sonnabend versicherten Justizbeamte, der Häftling habe im Umgang mit seinen Armstümpfen enorme Fertigkeit bewiesen und zum Beispiel auch ein Essbesteck verwenden können. Fuchs hatte bei seiner Verhaftung 1997 versucht, sich mit einer Bombe das Leben zu nehmen; dabei verlor er beide Hände. Auch psychologisch ist der Selbstmord offenbar plausibel: Mit anderen Häftlingen sprach Fuchs kaum; schon während seines Prozesses hatte Fuchs sich als unzugänglich erwiesen. Der Psychiater des Grazer Gefängnisses erklärte, der Suizid sei vorhersehbar gewesen. Die Anstaltsleitung hatte die Zelle von Fuchs mit Plastikfensterscheiben ausgestattet, um ihm die Selbsttötung zu erschweren. Zu Fuchs Anschlägen gehörte auch das Attentat mit einer Rohrbombe, bei dem 1995 in Oberwart im Burgenland vier Roma getötet wurden. Außerdem verübte er im Namen einer "Bajuwarischen Befreiungsarmee" von 1993 bis 1996 eine Serie weiterer Anschläge vor allem mit Briefbomben, bei denen mehr als zwölf Menschen verletzt wurden unter ihnen auch der damalige Wiener Bürgermeister Zilk.