Österreichs Eishockey-Meister Salzburg mit Trainer Pierre Pagé drängt aus seiner internationalen Liga in die DEL: Mozartkugeln auf Flügeln

BERLIN. Es ist keine dieser fixen Ideen, die einem so im Café Mozart beim Tässchen Kapuziner und Salzburger Nockerln kommen. "Nein, nein", versichert Hardy Nilsson glaubhaft, soweit man das am Telefon einschätzen kann, "wir bemühen uns ernsthaft, in die Deutsche Eishockey-Liga einzusteigen. Wir müssen das nicht, wir wollen es, es wäre eine gute Sache ."Hardy Nilsson (60) ist Koordinator für die internationalen Aktivitäten des österreichischen Meisters Red Bull Salzburg und befindet sich derzeit beim Ausloten, ob sein Plan auch durchführbar ist. Vor einem halben Jahr hat er über dieses Thema schon mit DEL-Ligenleiter Gernot Tripcke konferiert, in den letzten Wochen mit Verantwortlichen von zwölf der 15 DEL-Klubs gesprochen. Man hat ihm zugehört, zuweilen sogar Unterstützung signalisiert, denn der Schwede gilt als Autorität: Fünf deutsche Meistertitel mit Köln, Düsseldorf und Hedos München schmücken seine Trainer-Vita, ebenso zwei WM-Finals mit den Tre Kronors. Letzte Saison wurde Salzburg erstmals nationaler Champion, danach trat Nilsson sein Traineramt an Pierre Pagé ab. Auch Pagé, der Meistermacher beim EHC Eisbären Berlin, ist von der Idee, in die DEL zurückzukehren, sehr angetan. "Wir könnten uns in einer stärkeren Liga messen, das wäre gut für die Entwicklung der Spieler."Trotzdem ist die Idee etwas skurril. Denn in Austrias Liga geht es bereits international zu, hier spielen neben sieben österreichischen zwei slowenischen Teams (HK Jesenice, Olimpija Ljubljana) sowie Ungarns Titelträger Volan Székesfehérvar. "Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht", sagt Nilsson, "bei den Auswärtsspielen von Jesenice gab es immer die höchsten Zuschauerzahlen." Ljubljana und Székesfehérvar sind Neulinge in dieser Saison.Man darf trefflich spekulieren, warum Salzburg nun gen Deutschland strebt. Neben dem sportlichen Aspekt, den Pagé betont, stecken monetäre Ziele dahinter. Es sind weniger die berühmten Mozartkugeln, die vertrieben werden sollen, als vielmehr die angeblich so beflügelnden Getränke. Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz sponsert bereits zwei Formel-1-Teams und Trapattonis Fußballelf. "Das Unternehmen würde viel für die DEL machen und sich nicht so kleinlich zeigen", gibt Nilsson unumwunden zu. Selbst der Bau einer neuen Halle - die jetzige entspricht nicht dem DEL-Standard - wäre kein Problem. Man brauche nur zwei, drei Jahre.Die Probleme liegen woanders. Kann ein österreichisches Team in der deutschen Liga spielen, vielleicht sogar deutscher Meister werden? "Theoretisch ist das machbar, ich möchte das auch langfristig nicht ausschließen", sagt DEL-Chef Tripcke, der sich über einen neuen Investor natürlich freuen würde. "Aber derzeit gibt es viele Baustellen." Die fangen bei der Halle an und enden damit, ob österreichische Spieler dann als Ausländer gelten und der Beschränkung unterliegen. Die größte Baustelle jedoch stellt die Ausuferung dar. Mit ziemlicher Sicherheit wird die DEL für die Saison 2008/09 durch einen Aufsteiger auf 16 Vereine aufgestockt. Und dann noch ein Quereinsteiger Salzburg? "Am besten wäre, sie würden die Lizenz eines bestehenden DEL-Klubs übernehmen", so Tripcke. Doch auch da müssten die anderen Klubs zustimmen. Mit einem Tässchen Kapuziner und ein paar Mozartkugeln ist dies nicht getan.------------------------------Foto: Bald auch deutscher Meister? Salzburg feiert den österreichischen Titel.