Der österreichische Außenminister Wolfgang Schüssel hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach er den deutschen Bundesbankpräsidenten Tietmeyer bei einem Pressefrühstück "eine richtige Sau" genannt haben soll. Journalisten bestätigten die Beleidigung jedoch eidesstattlich. Österreichs Opposition will jetzt im Parlament den Rücktritt des Außenministers fordern."Dieses Vokabular gehört nicht zu meinem Sprachgebrauch. Meine Erklärung haben Sie gehabt. Für mich ist die Sache erledigt", sagte Österreichs Außenminister Wolfgang Schüssel am Montag in laufender Radiosendung und hängte auf. Grund für des ÖVP-Chefs ungewohnt barsche Reaktion waren zwei Zitate vom Amsterdamer Gipfel im deutschen Magazin "Focus": "Eine richtige Sau", soll Schüssel bei einem Pressefrühstück den deutschen Bundesbankchef Hans Tietmeyer wegen dessen Streits mit Finanzminister Theo Waigel um die Neubewertung der deutschen Goldreserven genannt haben.Den schwedischen Premier soll er darüber hinaus einen "Trottel" geschimpft haben, weil dieser bei einem Umweltschutzkompromiß "wie ein Kamel das Gras abgefressen hat, das schon darüber gewachsen war".Die "Erklärung" des Vizekanzlers im ORF-Radio lautete kurz und bündig, in Amsterdam kein Pressefrühstück gegeben zu haben und schon gar nicht für deutsche Journalisten. Die "Focus"-Publikation sei nichts als ein "Amalgam bösartiger Unterstellungen". Den Abbruch des Gesprächs löste der Einwand der Moderatorin aus, österreichische Kollegen hätten die fraglichen Zitate mitgehört.Mittlerweile liegt von diesen eine eidesstattliche Bestätigung vor, mit der sie ihre deutschen Kollegen vom Vorwurf der üblen Nachrede freisprechen. Schüssels Äußerungen seien beim Frühstück im Hotel Hilton gefallen, wo sich der österreichische Vizekanzler den heimischen Berichterstattern mit seiner Intimsicht des Konferenzablaufs geradezu aufgedrängt habe. "Schüssel wurde Opfer einer Sitte fast aller Spitzenpolitiker, in vertraulichem Gespräch mit Journalisten Einschätzungen und Zusammenhänge darzulegen, die man aus Gründen der Strategie oder Höflichkeit nicht öffentlich darlegen kann", nimmt der Chefredakteur der Wiener Tageszeitung "Die Presse" den ÖVP-Chef gestern in Schutz: "Offenheit verträgt sich aber nicht mit einem allzu großen Kreis."Der Wiener "Standard" fügt den "Focus"-Enthüllungen gleich noch eine aus Brüssel hinzu: Dort soll Schüssel über den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko gesagt haben, dieser sei bei der letzten OSZE-Tagung "dagesessen wie ein Kümmeltürk mit seinem Bart". Der "Kurier" dagegen meinte, bei der Regierungsklausur über das Sparpaket im Vorjahr wären dem Vizekanzler die Säue noch in die Feder geflossen ­ ein offensichtlich gelangweilter Schüssel hatte die Journalisten damals mit der Zeichnung eines Sparschweins unterhalten. Die Opposition will im Parlament nun die Frage stellen, ob ein auf das Schwein gekommener Außenminister für die Republik noch tragbar sei.