Einst waren sie drei über die Jahre eng befreundete Ehepaare. Jetzt sind die Männer verstorben und die Frauen allein. "Der Witwenclub", ein Stück des New Yorker Autors Ivan Menchell, läßt die drei Damen vom Grab nach einem neuen Leben suchen. Auf ganz unterschiedliche Weise, die ihnen dank der Inszenierung von Wolfgang Spier in der Komödie am Kurfürstendamm sofort deutlich anzusehen ist.Lucille (Hannelore Cremer) gibt sich gerne als zügellose Nymphomanin aus und bevorzugt Nerz um Kopf und Bauch. Ida (Maria Sebaldt) kocht lieber und kleidet sich normgerecht in Altweibersommer-Töne. Doris (Ingeborg Krabbe) schließlich, resolute Friedhofspilgerin und immer mit dem Kopf im Sand beim toten Gemahl, beschränkt sich auf leicht verfremdeten Trauerlook. Viel mehr Perspektiven als die Warteschleife zur ewigen Ruh scheint es nicht zu geben. Frauen über sechzig sind gesellschaftlich irgendwo zwischen Stützstrümpfen und Arthrose-Kapseln abgeschoben. Auch wenn sie sich eigentlich noch zu jung fühlen, um schon alt zu sein, gibt es für sie kaum Möglichkeiten, neue Aufgaben, Kontakte, Affairen zu finden. Die "Golden Girls" jedoch haben vorgemacht, wie·s trotzdem weitergehen und wie man auch als Oma noch kraftvoll zubeißen kann.Ivan Menchell hat sich pietätlos an der populären Fernsehserie bedient, ohne deren eben nicht nur seniorenhafte Spaßigkeit und Lebenswut zu erreichen. So klingt dieser "Witwenclub" nach Zahnersatz und mümmelt schwerfällig vor sich hin. Es gibt wenig Handlung, keine Entwicklung, und der einzige Konflikt ist auf seniles Schulmädchenniveau gestutzt. In das unbemannte Dreimäderlhaus gerät plötzlich der gleichaltrige Witwer Sam (Wolfgang Spier). Seine zarte Romanze mit Ida wird durch eifersüchtiges Intrigieren der Freundinnen fast zerstört. Doch am Schluß siegt die späte wahre Liebe.Die fordernde Lucille, die sich nicht aufs Altenteil zurückzuziehen gedachte ­ "Ich hatte genug, aber jetzt will ich noch mehr!" ­ bleibt, Strafe muß sein, vorerst allein. Doris wiederum stirbt ­ warum, weiß nur der Dichter ­ und versäumt so das Ida-Sam-Happy-End. Wenigstens haben die Frauen vorher noch mal kräftig geschlemmt, gesoffen und Cha-Cha-Cha getanzt, bis die Blümchentapete treibt. Als fideles "Bloß nichts anbrennen lassen"-Trio schenken sie sich nichts. Wolfgang Spier, gewohnt souverän, bewahrt als Regisseur wie als umschwärmter Hahn im Korb kühlen Kopf. Doch aller Liebesmüh und der Kraft der drei Herzen zum Trotz wird aus dem "Witwenclub" kein "Club der Teufelinnen". Requiescat in pace.Wieder von 8. bis 14.12., 20 Uhr