Olympia in Hamburg: Hamburger prüfen Bewerbung

Hamburg - Hinter den Kulissen läuft die Hamburger Olympia-Kampagne bereits, der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wirbt eifrig für seine Stadt als Austragungsort der Sommerspiele. Nach außen aber gibt man sich hanseatisch bescheiden. Eine Ehre sei es, auf Augenhöhe mit der Hauptstadt genannt zu werden, sagte Innensenator Michael Neumann (SPD) kürzlich im Deutschlandfunk. „Mit heißem Herz und kühlem Kopf“ wolle man eine Olympia-Bewerbung prüfen.

Es gibt ja auch viel zu erwägen. Zwar lehnen die Hamburger eine Bewerbung nicht kategorisch ab, in zwei Umfragen sprach sich eine Mehrheit dafür aus. Doch ähnlich wie Berlin sitzt Hamburg der Schreck einer erfolglosen Bewerbung noch in den Knochen. Nur etwas mehr als zehn Jahre ist es her, dass Deutschlands zweitgrößte Stadt im nationalen Wettbewerb unterlag. Stattdessen bewarb sich Leipzig ohne Erfolg um die Sommerspiele 2012. Und noch etwas bremst die Olympia-Euphorie der Hamburger Politiker: die Elbphilharmonie, die längst zum Trauma für die Stadt geworden ist.

Alle wollen die Bewerbung prüfen

Entsprechend skeptisch ist die Opposition. „Wir wollen nicht, dass Hamburg eine 17-tägige Party für die Welt ausrichtet und danach auf einem Schuldenberg sitzt“, sagt Jens Kerstan, Vorsitzender der Grünen-Fraktion in der Bürgerschaft. Doch zumindest prüfen wollen die Grünen eine Bewerbung. Zusammen mit SPD, CDU und FDP – als einzige Fraktion lehnt die Linke die Spiele ab – haben sie im Mai den Senat beauftragt, eine ergebnisoffene Studie zu Olympia anzufertigen.

Zu 14 Themen wollen die Parlamentarier Auskunft, beispielsweise zum Nachnutzungskonzept für die Sportstätten und zu den Auswirkungen der Spiele auf den Wohnungsmarkt. Im nächsten Jahr sollen dann – falls sich der DOSB für Hamburg entscheidet – die Bürger in einem Referendum über die Bewerbung entscheiden. „Man muss klug rechnen und klug vorbereiten“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Dressel. Auch er ist überzeugt, dass Olympische Spiele nur in kleinerem Rahmen als bisher durchgeführt werden könnten. „Für eine Neuauflage von Sotschi gäbe es hier keine Mehrheit“, sagt Dressel. Er betont auch, dass Hamburg die Kosten nicht alleine tragen könne. „Der Bund ist gefordert, das als Aufgabe für den Gesamtstaat zu begreifen.“

Die Chance für Hamburg ist da

Doch dass die Spiele für Hamburg eine Chance sein könnten, darüber herrscht Einigkeit. Etwa, um brach gefallene Hafenflächen zu beleben. Und um die Stadt wieder bekannt zu machen. Erst kürzlich mahnten zwei Altbürgermeister, Klaus von Dohnanyi (SPD) und Ole von Beust (CDU), Hamburg müsse um seinen Platz in Europa kämpfen. Die Stadt könne sich nicht mehr darauf verlassen, dass der Hafen ihr Wohlstand bringe, schrieb Dohnanyi. „Das Tor zur Welt geht zu.“