Preußen-Stiftung: Eine Weiter-so-Reform statt Innovation

Ein Gutachten hat vor zweieinhalb Jahren eine grundlegende Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) empfohlen. Herausgekommen ist ein Rohrkrepierer.

Ein Publikumsmagnet? Die James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel
Ein Publikumsmagnet? Die James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinseldpa/Soeren Stache

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) ist mit knapp 2000 Beschäftigten eine der größten europäischen Kulturinstitutionen. Sie umfasst 19 Museen, unter ihrem Dach befinden sich außerdem die Staatsbibliothek, diverse Archive und Forschungseinrichtungen. Die häufig verwendete Tanker-Metapher bezieht sich einerseits auf die schiere Größe der Einrichtungen und deren überwältigenden kulturellen Reichtum; stets mit gemeint war aber auch ein hohes Maß an Manövrierunfähigkeit. Um diese zu beheben, hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) den Deutschen Wissenschaftsrat unter der Leitung der Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler mit der Erstellung eines Gutachtens betraut. Die Reformempfehlungen waren ein kulturpolitischer Weckruf, anfangs war sogar von einer Zerschlagung der SPK die Rede.

Vieles bleibt, wie es ist

Nach zweieinhalb Jahren Beratungen und einem Amtswechsel im BKM von Monika Grütters zu Claudia Roth (Grüne) hat nun der Stiftungsrat der SPK, in dem der Bund und alle 16 Bundesländer vertreten sind, am Montag die Eckpunkte des weiteren Vorgehens bei der verabredeten Restrukturierung beschlossen. In ihnen, so scheint es, ist das Kunststück niedergelegt, die Reformabsichten zu bekräftigen und doch vieles so zu belassen, wie es ist.

Ein zentrales Merkmal der Vorschläge des Wissenschaftsrates bestand in der Zerlegung der Stiftung in kleinere Einheiten. Das hätte massive Veränderungen in den bisher stark hierarchisch aufgebauten Leitungsstrukturen bedeutet. Der nun verabschiedete Beschluss hält aber erkennbar an Top-down-Prinzipien fest. Die Stiftung, so heißt es in dem Papier, werde künftig von einem aus sieben Mitgliedern bestehenden Vorstand als Kollegialorgan geleitet, darunter nur zwei Vertreter der staatlichen Museen. Neu vorgesehen ist eine zentrale Serviceeinheit (ZSE), deren Aufgaben bisher von der Hauptverwaltung der SPK übernommen wurden.

An den wenig aussagekräftigen Beschluss knüpft sich der Verdacht, dass der Abbau von Hierarchien eher nach den Prinzipien alter Macht in neuen Gefäßen erfolgt. Kontrolle scheint wichtiger als Innovation. Zwar heißt es in dem Beschluss, dass die Museen und Institute künftig autonomer handeln können sollen, allerdings nach eng bemessenen Vorgaben, die einer vom Vorstand beschlossenen Gesamtstrategie folgen. Das zuvor vom Vorstand zugewiesene Programmbudget darf dann selbstständig verwaltet werden.

Die quälende Trägheit des föderalistischen Einflusses

Ein wesentliches Ziel der von Monika Grütters forcierten Reform bestand in einer Neugestaltung des Stiftungsrates, in dem zwar alle Bundesländer mitreden dürfen, aber nur wenige nennenswerte Finanzierungsbeiträge leisten. Der Beschluss vom Montag deutet auf eine quälende Verlängerung des Föderalismusproblems, wenn es heißt: „Über die künftige Zusammensetzung des Stiftungsrats soll in einem weiteren Schritt der Reform beraten werden.“

Nebulös bleiben auch die Hinweise auf die künftige Anbindung des Humboldt-Forums an die SPK. Es bedürfe da eines eigenen Prozesses unter Einbeziehung der Leitung des Humboldt-Forums. Die Intendanz von Hartmut Dorgerloh, Chef des unter Corona-Erschwernissen eröffneten Humboldt-Forums, läuft demnächst aus. Eine Vertragsverlängerung für den bewährten wie leidensstarken Intendanten hängt wohl auch von den Zumutungen ab, die der in vielfacher Hinsicht offene Reformprozess für ihn bereithält.