Als das Frühjahr begann, fingen meine Chefs an, das Thema anzusprechen. Vorsichtig erst, denn es war nach zwei Jahren fast ein Tabu geworden. Ich bekam trotzdem sofort schlechte Laune. Das Thema war die Rückkehr ins Büro.

Ob wir uns eventuell vorstellen könnten, wieder öfter dort zu arbeiten? Nach und nach wieder dort Konferenzen abzuhalten, mit anderen Menschen in einem Raum zu sitzen, statt jeder für sich an einem Bildschirm? Eine Corona-Welle lief gerade aus, ich weiß nicht mehr, die wievielte es war. Ich war doppelt geimpft und hatte die Infektion, von der ich mittlerweile annehme, dass sie so gut wie jeden treffen wird, längst hinter mir. Ich hatte keine Angst vor dem Virus. Ich hatte Angst vor dem Büro.

Daran musste ich denken, als ich hörte, dass Elon Musk seine Mitarbeiter rauswerfen will, wenn sie nicht wieder ins Büro kommen. Ausgerechnet bei Tesla? Die Leute denken sich da Elektroautos aus. Eine Firma der Zukunft. Und die Zukunft der Arbeit sollte doch das Homeoffice sein. Mehr noch, das Arbeiten von irgendeinem Ort, den man vermutlich am Morgen mit einem Elektroauto angesteuert hat, und der einen mit Energie und Inspiration schneller auflädt als eine E-Tankstelle den Wagen. Das Arbeiten von überall, denn ist es nicht egal, wo man seine Arbeit macht, Hauptsache, man macht sie?

Homeoffice: Nur echt mit Rückenschmerzen

So hatte auch ich argumentiert. Ich hatte zwei Jahre lang morgens zwar nur den Esstisch in meinem Wohnzimmer angesteuert, dort zwei dicke Bücher unter den Laptop geschoben, Tastatur und Maus angeklemmt. Gegen die Rückenschmerzen machte ich in der Pause einfach Yoga. Zwei oder drei Mal in zwei Jahren. Meistens turnte ich abends gegen die Schäden an, wenn die Kollegen endlich aus dem Teams-Chat verschwunden waren. In der Mittagspause wärmte ich mir Reste auf und hörte beim Essen Podcasts. Wenn mich jemand fragte, ob ich gern von zu Hause arbeite, lobte ich die doppelte Zeitersparnis: Keine Arbeitswege und man verquatscht sich nicht so oft.

Ich wechselte in der Pandemie sogar den Job, von Homeoffice zu Homeoffice sozusagen. Selbst das Programm für die Videokonferenzen blieb gleich, nur die Namen auf dem Bildschirm änderten sich. Alles kein Problem!

Meine Chefs wurden nachdrücklicher. Sie sagten: Mehr Präsenz ist erwünscht. Ich hielt sie für rückständig, allein dieses Wort, Präsenz. Es klang nach letztem Jahrhundert. Meine Cousine, die Anfang 30 ist, wechselte auch ihren Job. Sie habe ihrem neuen Arbeitgeber erklärt, dass mehr als zwei Tage im Büro pro Woche für sie nicht drin seien. Lieber verzichte sie auf mehr Geld, erklärte sie mir.

Ich mag den Gedanken, dass ich von zuhause arbeiten kann

Zwei Tage pro Woche? Ich beschloss, es auszuprobieren. Das ist acht Wochen her. Seitdem habe ich nur an einem Tag von zu Hause gearbeitet, obwohl mir das niemand verboten hat. Wenn Elon Musk mein Chef wäre, würde ich mich wahrscheinlich im Homeoffice verriegeln und eine Kündigung riskieren, allein, weil mich seine Drohung so aufregen würde. Ich mag den Gedanken, dass ich von zu Hause arbeiten kann. Wenn es im Büro zu laut ist zum Schreiben, ein Handwerker kommt, ich mich nicht ganz gesund fühle, aber auch nicht richtig krank.

Aber das Büro an sich, da muss ich Elon Musk leider recht geben, ist kein schlimmer Ort. In meinem gibt es Bürotische, Schreibtischstühle, große Bildschirme. Und Kollegen. Ich verquatsche mich oft und komme dabei auf Ideen. Mich überrascht das nach zwei Jahren fast so sehr wie der kleine Schalter, mit dem ich den Schreibtisch in einen Stehtisch verwandeln kann. Am meisten überrascht mich, dass ich beides ganz gut finde.