Berlin - Wie wäre ein Arzt zu nennen, der einem Patienten seit Monaten ein Medikament verordnet, ohne zu wissen, ob es wirkt? Vielleicht sogar schlimmer noch: der die Dosis ständig erhöht, weil die erhoffte Heilung ausbleibt. Er wäre wohl als Quacksalber zu bezeichnen, den es zum Wohle der Menschheit aus dem Verkehr zu ziehen gilt.

Die deutsche Politik und einige derjenigen, die sie beraten, machen seit mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie genau das: Sie erlassen Maßnahmen und heben sie wieder auf, ohne zu wissen, ob dies wirklich hilfreich ist, weil sie über keine gesicherten Daten verfügen. Sie bewegen sich im Blindflug durch ein bedrohliches Szenario wie ein Quacksalber ohne Approbation durch seine Patientenkartei.

Evaluation ist ein sperriges Wort, aber es beschreibt exakt das, was jeder gute Arzt macht, bevor er sich für eine Therapie entscheidet oder sich von ihr verabschiedet: Er erstellt einen Befund, der Erfolg verspricht. Eine Impfpflicht wiederum ist eine sehr harte Therapie, denn sie stellt einen schwerwiegenden Eingriff in Freiheitsrechte dar. Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen berührt zudem den Grundsatz der Gleichbehandlung. Dennoch hält die Politik daran fest, verzichtet jedoch bisher auf eine Evaluation. Der Berliner Virologe Christian Drosten von der Charité hat nun auch noch die Kommission zur wissenschaftlichen Beurteilung der staatlichen Corona-Beschränkungen verlassen.

Dass es sich bei dem Blindflug um eine Folge von Dilettantismus handeln könnte, gepaart mit dem verzweifelten Bemühen, Handlungsstärke auszustrahlen, ist vermutlich noch die günstigste Annahme. Alles andere könnte leicht in den Bereich der Verschwörungstheorien fallen. Wenn diese nun neuen Auftrieb erhalten, sollte sich also niemand darüber wundern.