Gesundheitsminister Karl Lauterbach will Bürgertests auf das Coronavirus von Juli an nur noch eingeschränkt kostenlos zur Verfügung stellen. Vulnerablen Gruppen zum Beispiel sollen sie erhalten bleiben und denjenigen, die in engem Kontakt dazu stehen. Und natürlich allen, die Symptome einer Covid-19-Erkrankungen zeigen. Die bisherige Corona-Strategie des SPD-Ministers lässt sich kritisch diskutieren. Beim künftigen Umgang mit Bürgertests liegt Lauterbach allerdings richtig.

Viel zu lange haben die politisch Verantwortlichen an einer Eindämmungsstrategie festgehalten. Viel zu spät sind sie auf eine Schutzstrategie umgeschwenkt. Wenn auch manchmal gezwungenermaßen: bei der Nachverfolgung von Kontakten zu Infizierten, die die Bürgerämter wegen chronischer Überlastung irgendwann eingestellt haben, die allerdings zu diesem Zeitpunkt ohnehin wenig Sinn ergaben. PCR-Tests mussten nach Priorität gemacht werden, weil Labore mit dem hohen Aufkommen nicht mehr fertig wurden. Die Quarantäne wurde verkürzt, weil personelle Engpässe in sogenannten systemrelevanten Bereichen drohten.

Auch bei der allgemeinen Impfpflicht zeigt Lauterbach inzwischen Einsicht, indem er sie nicht mehr mit allen Mitteln durchfechten will. Auch wenn er sich als ranghöchster Impflobbyist treu bleibt und auf eine Werbekampagne setzt, die sich in seinem Sinne bezahlt machen soll. Es wirkt der normative Druck des Faktischen. In Kürze offenbar auch bei den Bürgertests.

Rund 10,5 Milliarden Euro hat der Steuerzahler seit Beginn der Pandemie für Corona-Tests aufgewendet, zu einem beträchtlichen Teil offenbar ohne einen erkennbaren Effekt. Zum Beispiel an Schulen, wo bis vor wenigen Wochen noch dreimal pro Woche ein morgendlicher Corona-Appell stattfand. Kinder wurden für den Fremdschutz von Erwachsenen in die Pflicht genommen. Dabei gab es hier keinerlei Hinweise auf einen Nutzen für Personen mit besonderem Risiko, an Covid-19 zu erkranken.

Dafür stellte sich ein unerwünschter Effekt ein. Die unübersichtliche und unkontrollierbare Fülle an Teststationen nutzten Betrüger, um Leistungen abzurechnen, die sie nie erbracht hatten. Auch da wurde Geld verschwendet, das andernorts im Kampf gegen die Pandemie und ihre Folgen dringender benötigt worden wäre. Das gilt ebenso für die ungezählten Tests, die mäßig motivierte Hilfskräfte so nachlässig und halbherzig vorgenommen haben, dass damit kein Virus der Welt jemals aufgespürt worden wäre.

Ein Pandemieplan, an den sich lange niemand hielt

Es liegt seit 2005 ein minutiös ausgearbeiteter und 2017 aktualisierter Pandemieplan vor. An den hat sich jedoch niemand wirklich gehalten. Das könnte ein Grund dafür sein, dass es die Politik nicht allzu eilig hat, zu evaluieren, welche Effekte ihr Handeln in der Corona-Krise bisher hatte, all die Einschränkungen, Beschränkungen, Lockdowns. Wirkung und Nebenwirkungen lassen sich teilweise nur erahnen und in ihrem Ausmaß vermutlich  erst viel später ermessen – etwa auf die heutige Generation von Kindern und Jugendlichen.

Es gibt nun einen Expertenrat, der die Bundesregierung berät. Es gibt einen Plan für einen Herbst mit Corona,  dem diese offenbar geneigt ist zu folgen. Besser spät als nie.