Am 27. April 2022 befanden sich laut Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts 1446 Covid-19-Fälle in Deutschland in intensivmedizinischer Behandlung, nur 6,6 Prozent aller betreibbaren Intensivbetten für Erwachsene waren mit Corona-Patienten belegt. Gut möglich, dass das genau in einem Jahr etwa gleich oder noch viel besser aussieht.

Die Beobachter der Pandemielage mutmaßen ja, dass das Virus zwar in einer Variante in diesem Herbst wiederkommt und die Bevölkerung den Winter hindurch beschäftigen wird, sich danach aber abschwächt. Und da innerhalb von zwei Jahren die Zahl der Auskenner auch in der Buchbranche deutschlandweit exponentiell gewachsen ist, gibt es bereits Applaus für die Verlegung der Leipziger Buchmesse 2023. Der Termin wird vom bisher geplanten und traditionell üblichen März auf den 27. bis 30. April verschoben.

Gerade noch rechtzeitig wurde am Montag diese Entscheidung veröffentlicht, denn schon am Mittwoch wird in Berlin das Programm des Gastlandes Österreich vorgestellt. Das Vorbereitungsteam scharrt schon lange mit den Hufen, wurde aber coronamäßig immer wieder gebremst.

Ersatzmesse mit Virenlast

Mit Versprechen ist es schwierig geworden. Bereits 2021 hatte man es mit einer Verlegung auf den Mai vergeblich probiert. Und die 2022er-Absage fiel zwar in eine Zeit der Lockerungen der Corona-Maßnahmen, doch der Rückzug der Konzernverlage machte die Durchführung des Treffens für die Veranstalter sinnlos.

Eine Ersatzmesse in Connewitz, Lesungen und Diskussionen an verschiedenen Orten in Leipzig zeigten das Interesse von unabhängigen Verlagen, Autoren und Publikum. Doch trotz Maskenpflicht und Desinfektionsspendern fuhren anschließend viele Besucher und Aussteller covidinfiziert zurück (auch die Berichterstatterin). Danach gab es ein „Zukunftsgespräch“ mit Politikern und Branchenvertretern. Das Gerücht, den Standort Leipzig ganz aufzugeben, sollte ausgeräuchert werden.

Der April mag zwar aus virenvorsorglicher Sicht eine gute Wahl sein, nach dem Geschmack des Buchhandels liegt der Termin recht spät. Da sind alle Frühjahrsnovitäten schon eine Weile erschienen, der Aufmerksamkeitseffekt für „das neue Buch von“ oder „das erste Buch über“ womöglich nicht mehr allzu groß. Auch die Ostergeschenke sind längst gekauft. Aber es zählt der gute Wille, die Leipziger Buchmesse am Leben zu halten.