Die Lese-Lobby ist machtlos, nur die Industrie könnte die Schulen verbessern

Ob Pisa- oder Iglu-Studie oder jetzt die Forsa-Umfrage zu den Schulen: Das Ergebnis zeigt stets, Deutschland tut zu wenig für die Bildung. Ein Kommentar.

In der Schule fängt vieles an, was die Gesellschaft braucht.
In der Schule fängt vieles an, was die Gesellschaft braucht.Westend61/Imago

Das war ja klar. Kaum ist eine neue Studie zur Bildung in Deutschland raus, melden sich die Stiftung Lesen und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Die Lobby-Organisationen für Lesefähigkeit und Bücher verhalten sich auch nicht anders als die Bauernverbände, wenn von Tierwohl die Rede ist oder die Industrie, wenn es um fossile Energieträger geht. Sie zeigen sich erschüttert über die gerade veröffentlichte Forsa-Befragung von Schulleitern, die zu 80 Prozent sagen, das größte Problem an Deutschlands Schulen sei der Mangel an pädagogischem Personal.

Klingt das zu böse? Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen fordern eine durchdachte, bundesweite Zusammenarbeit anstelle von Insellösungen, heißt es in der Mitteilung. Aber das fordern sie ja schon lange. Sie haben vor zwei Jahren einen „Nationalen Lesepakt“ ausgerufen, unterstützt von der damaligen Bundesbildungsministerin Anja Karliczek und 150 Partnern. Alle Beteiligten zeigten sich öffentlich begeistert von dieser Idee. Nur dass die Situation in den Schulen nicht besser wurde, schon gar nicht nach Corona mit Homeschooling, Wechselunterricht und Zugluft.

Das Problem hat Folgen

„Die Schieflage im Schulwesen fällt allen Verantwortlichen gerade auf die Füße“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen zur neuen Studie. Was macht sie da auf den Füßen? Bleibt sie liegen, wie eine alte, aber dennoch wärmende Decke? Solange nicht die Landwirtschaftslobby sich meldet, solange nicht die Autobauer aufstehen, die Arzneimittelhersteller, solange wird sich an der Bildungsmisere in Deutschland wohl wenig ändern. Die mangelnde Lesefähigkeit wird offenbar immer noch als Luxusproblem betrachtet. Aber wer nicht flüssig lesen kann, wird nicht fähig sein, in Lehre oder Studium für Agrar-, Industrie- oder Wissenschaftsberufe zu bestehen. Es geht nicht um ein paar Bücher, es geht um die Schulen, wo lehren und lernen keine Qual sein soll.