Angesichts der nicht abreißenden Kriegs- und Krisen-Nachrichten, die Ängste, mindestens aber Sorgen in bislang nicht gekanntem Ausmaß auslösen, bin ich fast froh über die Konfrontation mit kuriosen Alltagsdingen. Ich meine jetzt nicht den verstopften Abfluss und den muffigen Wassergeruch, der beim Lösen der Rohrverbindungen, die man nie wieder dicht bekommt, hervordringt.

In meinem Kiez wird seit Wochen gebaut, irgendeine Straßenverengung, bei der, so wie ich den Baufortschritt interpretiere, das Trottoir verbreitert wird. Ich habe bereits mehrfach das Internet um Aufklärung gebeten, leider vergeblich. Eine Bürgerinformation, wenn es diese denn gab, hat mich nicht erreicht. Ich vermute, dass für ein paar Hunderttausend Euro und unter erheblicher Verdrängung öffentlichen Parkraums alles ein bisschen schöner werden soll.

Stadtplanung, wie sie sich in meiner naiven Vorstellung niedergeschlagen hat, tendiert nicht unbedingt zu mehr Lebensqualität, ganz sicher aber zur Verdrängung von Stellplätzen, über deren trostlose und verschwenderische Existenz ich, wenn ich nicht achtgebe, zweimal am Tag von Freunden, Nachbarn und zufälligen Passanten belehrt werde. Zumindest dann, wenn ich preisgebe, dass ich zu jener Spezies gehöre, die noch immer ein Automobil angemeldet hat. Ich bin bemüht, Gespräche dieser Art zu vermeiden, weil sie ein gewisses Eskalationsrisiko bergen. Ich möchte also lieber nicht …

Früher einmal gab es schöne Parkplätze

Zunehmend aber verfestigt sich in mir der Verdacht, dass die Neugestaltung ehemaligen Parkraums ein bevorzugtes kommunalpolitisches Anliegen ist, mit dem sich Handlungsfähigkeit beweisen lässt. Symbolpolitik mit Aufmerksamkeitsgarantie. Parklets, Poller, Lastenräder – you name it. Alles andere ist langwierig, kompliziert und umsetzungsresistent, die Umwandlung einer gewöhnlichen Wohnstraße in eine autofreie Zone mit Fahrradverkehr indes signalisiert Modernität und Nachhaltigkeit. Auf den bildlichen Animationen wird geradelt, niemals gerast. Und wer dagegen ist, begebe sich besser in jene von Elisabeth Noelle-Neumann einst wissenschaftlich unterstellte Schweigespirale.

Ich werde es also unterlassen, wetternd auf Bürgerversammlungen herumzulungern oder gar zu pöbeln. Manchmal daheim – oder noch besser: im Auto – aber spiele ich dezent einen alten Hit der Talking Heads ab. Früher einmal gab es schöne Parkplätze, so haben sie wohlklingend gesungen und dadurch ihrem Unmut über die ubiquitäre ökologische Korrektheit Luft gemacht, heute hingegen nichts als Blumen: Nothing But Flowers.