Gegen das Tierische auf dem Teller: Freiburger Schulen und Kitas zeigen den Weg

Freiburg will den Kindern in Schulen und Kitas das Fleisch vom Teller nehmen. Ist das ein Verlust?

Nur noch Grünzeug? Da gibt es vielleicht Anpassungsprobleme.
Nur noch Grünzeug? Da gibt es vielleicht Anpassungsprobleme.imago/Panthermedia

In Freiburger Kitas und Schulen bekommen die Kinder vom kommenden Jahr an mittags kein Fleisch mehr vorgesetzt. So hat es die Stadt beschlossen. Und schon geht es rund. Das Ministerium beschwert sich, zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre auch Fleisch. Manche Eltern sind gegen diesen Beschluss und protestieren. Auf das Tierische auf dem Teller sollen ihre Kinder auch mittags nicht verzichten. Die ganze Republik schaut nach Freiburg. Was die da so machen.

Was ist das nur mit dieser Besessenheit beim Fleisch?

Mittagessen in Kitas und Schulen ist ja ohnehin ein hochsensibles Thema. Nahezu kein Elternabend verstreicht, ohne dass es nicht irgendwann auch um das Essen ginge. Meist beschweren sich Eltern über die schlechte Qualität. Ihre Kinder würden das nicht essen wollen, was ihnen vorgesetzt wird. Und, mal ehrlich: Wer als Erwachsener mal testet, was da so vorgekocht und warmgehalten angeliefert wird, kann die Kinder verstehen. Gleichzeitig wollen diese Eltern aber auch so gut wie nichts für das Schul- und Kitaessen bezahlen. Ein Zusammenhang? Wird gern ausgeblendet.

Jetzt also ohne Fleisch. Es kann nur besser werden. Das wird es sicherlich schon allein deshalb, weil es ja hier nicht um den Sonntagsbraten geht, sondern um eher minderwertiges Fleisch. Und wer unbedingt möchte, dass sein Kind jeden Tag Fleisch isst, kann ihm ja abends etwas davon servieren.

Zu empfehlen ist das aber nicht. Denn eigentlich müssten ja alle weniger Fleisch essen, nicht nur die Kinder. Schon erstmal aus gesundheitlichen Gründen, weil der viele Fleischkonsum bei sehr vielen Menschen zu Fettleibigkeit und allerlei schweren Erkrankungen führt. Aber auch aus Tierschutzgründen, weil die Schweine, Rinder und Hühner, um die es hier meistens geht, in kleinen Kästen oder Ställen ein zumeist außerordentlich trostloses und sehr kurzes Dasein fristen, ohne jemals die Sonne zu sehen. Und dann natürlich auch aus Umweltgründen, weil die intensive Nutztierhaltung enorme Flächen- und Wassermengen verbraucht, Böden und Gewässer belastet und mit ihren Emissionen zum Klimawandel beiträgt.

76 Kilogramm Fleisch pro Kopf

Trotzdem wird die Tierhaltung weltweit immer mehr ausgeweitet. Die Weltbevölkerung wächst, in vielen Ländern erreichen die Menschen jetzt erst einen gewissen Wohlstand, der sich auch auf ihr Ernährungsverhalten auswirkt. Der jährliche Fleischverbrauch hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Lag der durchschnittliche weltweite Jahreskonsum 2010 noch bei 41,5 Kilogramm pro Kopf, waren es 2019 bereits 43,2 Kilogramm. Deutschland brachte es in jenem Jahr auf stolze 76,4 Kilogramm pro Kopf.

Tendenz allerdings sinkend. Die deutsche Fleischindustrie beklagt entsprechend jetzt auch schwindende Umsätze. Aber irgendwas ist ja immer.

Kürzlich warnte das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung vor einer Ernährungskrise infolge unseres hohen Fleischkonsums. Ein Großteil der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion landet nämlich nicht auf dem Teller, sondern im Futtertrog von Tieren. Während auf etwa 80 Prozent der weltweiten Nutzflächen Futtermittel zur Produktion von tierischen Lebensmitteln – darunter Fleisch, Milch, Butter und Käse – erzeugt werden, tragen diese Lebensmittel nicht einmal zu einem Fünftel zur Ernährung der Weltbevölkerung bei. Wenn stattdessen mehr Ackerflächen für die Erzeugung von Essen für Menschen genutzt würde, ließe sich das Angebot ausweiten und Preisanstiege und Hunger vermindern. Die Forscher schlugen neben Umstellung der Landwirtschaft und geringeren Steuern für fleischlose Lebensmittel auch vor, dass sich Kantinen umstellen sollen.

Freiburg hat also offenbar alles richtig gemacht. Die Stadt ist vielleicht die Avantgarde.