Hat Sacheen Littlefeather sich mit falschen Federn geschmückt?

Als „Native American“, die im Auftrag von Marlon Brando die Annahme des Oscars verweigert hatte, wurde sie berühmt. Aber wer war Sacheen Littlefeather?

Sacheen Littlefeather bei einem Auftritt in Los Angeles
Sacheen Littlefeather bei einem Auftritt in Los AngelesGETTY IMAGES NORTH AMERICA

Möglicherweise kennen Sie nicht ihren Namen, schrieb die Journalistin Jaqueline Keeler kürzlich im San Francisco Chronicle, „aber vielleicht haben Sie das Video gesehen, das sie berühmt gemacht hat“. Die Rede ist von Sacheen Littlefeather, die 1973 als sogenannte Native American im Auftrag von Marlon Brando die Annahme des Oscars verweigert hatte. Brando war in dem Jahr für seine Rolle in „Der Pate“ als bester Schauspieler ausgezeichnet worden; gemeinsam mit der imponierenden, im Apachen-Kostüm auftretenden Sacheen Littlefeather protestierte er gegen den Umgang mit Indigenen in der amerikanischen Filmindustrie. Nach Sacheen Littlefeathers Tod Anfang Oktober wurde in zahlreichen Nachrufen an diese Aktion erinnert, kurz zuvor erst hatte sich sie Academy sich bei ihr entschuldigt.

Jaqueline Keeler führt nun aus, dass Littlefeather nicht idigener Herkunft sei. Keeler, die registrierte Angehörige der Navajo ist, legt Recherchen zum Stammbaum der Familie Cruz vor, in der Littlefeather geboren wurde. Weder dort noch in den Akten der White Mountain Apache in Arizona, zu denen sich Littlefeather zählte, habe sie einen indigenen Hintergrund, so Keeler, für Littlefeather oder ihre Familie finden können. Ihr richtiger Name laute vielmehr Marie Louise Cruz, geboren am 14. November 1946 im kalifornischen Salinas. Weder sie noch ihre Eltern hätten idigene Vorfahren gehabt.

Die Szene, die Sacheen Littlefeather 1973 berühmt machte.
Die Szene, die Sacheen Littlefeather 1973 berühmt machte.AP

Die Frage, ob es sich dabei um eine dreiste Lebenslüge oder eine psychopathologische Deformation handelt, führt zu bekannten Beispielen der Literaturgeschichte. So wurden Binjamin Wilkomirski und dessen Kindheitserfahrungen in Lagern des Holocaust 1995 als Erfindungen des Schweizers Bruno Dössekker enttarnt. Unter dem Stichwort Wilkomirski-Syndrom wird seither die Frage diskutiert, ob er ein literarischer Betrüger sei oder sich durch das Phänomen der Konfabulation eine Opfergeschichte angeeignet habe.

Der Fall Littlefeather weist übrigens auch Parallelen auf zur Geschichte des Künstlers und Aktivisten Jimmie Durham, der posthum auf der Documenta geehrt wurde, und dem die Cherokee, denen er sich zugehörig fühlte, das Recht auf Stammeszugehörigkeit absprachen.