Heiser und ein wenig gerührt – Frank Plasbergs letztes „Hart aber fair“

Nach 22 Jahren und rund 750 Sendungen ist Schluss. Frank Plasberg geht in Rente und verabschiedet sich leise aus seiner langlebigen Polit-Talkshow.

Schluss mit Faktencheck und Einspieler: Frank Plasberg hört auf.
Schluss mit Faktencheck und Einspieler: Frank Plasberg hört auf.dpa

Am Ende steuerte er unweigerlich auf den Moment der Rührung zu, obwohl er all die Jahre doch ein Repräsentant unerbittlicher Pragmatik war. Frank Plasberg hört auf bei „Hart aber fair“, 22 Jahre, knapp 750 Sendungen, einige Hundert Mitarbeiter und Tausende origineller Momente, Einsichten und wohl auch Peinlichkeiten.

Mit Frank Plasberg verlässt ein untypischer Moderator das ARD-Studio, brillierte er in seiner Sendung, die er unlängst als Straßenköter der Talkshows bezeichnete, doch kaum durch ein Schwiegersohn-Image mit weißen Zähnen, sondern mit sprödem Witz und schnöder Faktencheck-Rhetorik. Wer geduldig war und resilient in Sachen trivialer TV-Unterhaltung, der fand in Frank Plasberg einen verlässlichen Partner, den man nicht mögen, aber dem man mit wacher Aufmerksamkeit begegnen musste. Vermutlich erwuchs diese aus einer Haltung, der er den Hundertschaften seiner Gäste entgegenbrachte. Respektlos gegenüber den Phrasen, die ihm entgegenschlugen, war sein Moderationsstil geprägt von der Achtung für die Persönlichkeiten, die sich auf die ungemütlich wirkenden Hocker hinter den Tresen seiner TV-Bar setzten.

Keine Phrasen bitte

Das war auch so bei seinem letzten Auftritt, der unter dem Titel „Ab in die Wüste. Wer freut sich auf die WM in Katar?“ verhandelt wurde. Die für Sportgroßereignisse dieser Art zuständige Politikerin, Innenministerin Nancy Faeser (SPD), hatte es nicht leicht gegen den gesundheitlich leicht angeschlagenen Moderator, der heiser, aber nicht auf den Mund gefallen war. Und so zog er Faeser einige Politikerphrasen, fragte nach einer deutschen Doppelmoral und ob es sich bei der Fifa um eine kriminelle Organisation handele. Da war es doch tatsächlich den Gästen aufgegeben, etwa dem früheren Fußball-Manager Willy Lemke oder dem neuen DFB-Mediendirektor und früheren „Sportschau“-Chef Steffen Simon, die korruptionsverdächtige Weltfußballorganisation in Schutz zu nehmen – wenigstens ein bisschen.

Den meisten Szenenapplaus erhielt der Ex-Profi Thomas Hitzlsperger, der im Auftrag der ARD eine kritische Reportage über die WM in Katar angefertigt hatte und dabei auch die Hinterbliebenen eines bei den Bauarbeiten eines WM-Stadions ums Leben gekommenen Wanderarbeiters aus Nepal aufgesucht hatte. In routinierter Noblesse sprang Lemke angesichts des Leids der nepalesischen Witwe in die Bresche der gesellschaftlichen Gleichgültigkeit. Gegebenenfalls werde er persönlich dafür sorgen, dass der Frau geholfen werde. Frank Plasberg aber enttarnte diesen Moment als allzu gefällige Medien-Camouflage. Machen wir es uns nicht zu einfach, wenn wir in bester kritischer Absicht mit dem Finger auf Katar zeigen und die kommenden Fußballgeschäfte bereits geplant werden?

Schließlich war Plasberg auch ein Schuss Skepsis vorbehalten, als der Empörungspegel in die Höhe schoss angesichts des selbstgefälligen WM-Botschafters aus dem Emirat, der einige Tage zuvor Homosexualität ganz ungeniert als „geistigen Schaden“ bezeichnet hatte. Die kommenden Spiele bei der WM dürften nicht zuletzt ein Schauspiel in jener Disziplin bieten, die vorführt, wie leicht es die Kataris den Hiesigen machen, skeptisch-reflektierte Zeitgenossen abzugeben. Dass sich die öffentlich-rechtlichen Medien in kühler Professionalität als Weltmeister kritischer Distanz gerieren, gehört wohl auch zu den „Spielen der Schande“, die am kommenden Wochenende beginnen und erst kurz vor Weihnachten enden werden. Zeit genug, das schlechte Gewissen zu bearbeiten, um sich vielleicht doch ein wenig Fußballkonsum zuzumuten. „Hart aber fair“ bot mit Lemke, Simon und Hitzlsperger Akteure auf, deren leidlich geprüftes Fußballherz am Ende etwas schneller schlägt, während es der einstigen Profispielerin Tugba Tekkal vorbehalten war, standhaft zu bleiben. Die einst für den Hamburger SV spielende Menschenrechtsaktivistin kurdisch-jesidischer Herkunft verbietet sich die Freude am Spiel in den nächsten vier Wochen aus politischen und moralischen Gründen.

Wer oder was ist „Fülle“?

Der heiterste Moment der Sendung war vielleicht jene Passage, in der der Ex-Werderaner Willy Lemke von der Begeisterung berichtete, die in Bremen ausbrach, als „Fülle“ für den WM-Kader nominiert worden war. Lemke wollte das als Indiz dafür verstanden wissen, dass die Fußballbegeisterung schließlich wohl doch die vielfach bekundete Abstinenz besiegen werde. Der wenig fußballaffine Frank Plasberg blickte ahnungslos und hilfesuchend in Richtung seines früheren ARD-Kollegen Steffen Simon, der gnädig mit der Information aushalf, dass es sich dabei um das Bremer Stürmer-Ass Niklas Füllkrug handele.

Bei den finalen Danksagungen wirkte der oft kantig-schlagfertige Frank Plasberg ein wenig verlegen, und zu guter Letzt dankte ihm Carmen Miosga von den „Tagesthemen“ nachhaltig dafür, dass sie den zwischenzeitlichen Schnauzbart nicht mehr zu sehen bekam. Politische Fernsehunterhaltung mit Plasberg? Das ging schon in Ordnung.