Abschuss der MH17: Kriegsgewalt hinterlässt Spuren

Die lebenslangen Strafen gegen drei prorussische Separatisten vermögen den Tod von 298 Flugpassagieren nicht zu sühnen. Ein wichtiges Signal ist das Urteil trotzdem.

Ein Wrackteil der 2014 abgeschossenen MH17
Ein Wrackteil der 2014 abgeschossenen MH17AP Pool

Der Zeitpunkt der Urteilsverkündung verweist auf die verstörende Ungleichzeitigkeit zwischen einem historischen Verbrechen und dem Versuch, den Opfern und deren Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Der Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 der Malaysia Air über der Ostukraine liegt acht Jahre zurück. Im Sommer 2014 machte der Tod von 298 Menschen auf brutale Weise auf die Wirklichkeit eines Krieges aufmerksam, den man in Europa bis dahin auszublenden geneigt war. Die Bilder von Gepäckresten, Kleidungsstücken und Stofftieren sind als stumme Anklage dieser Ignoranz ein knappes Jahrzehnt später nicht aus dem Gedächtnis verschwunden.

Nun gibt es mit enervierender Verspätung ein Urteil eines Amsterdamer Strafgerichts gegen drei ehemalige Offiziere der prorussischen Separatisten, die schuldig gesprochen wurden, an dem Abschuss beteiligt gewesen zu sein. Ein vierter Angeklagter wurde freigesprochen. Anwesend waren sie bei der Urteilsverkündung nicht, weil Russland sich geweigert hatte, sie auszuliefern. Zudem hatte sich im Verlauf des Prozesses herausgestellt, dass von russischer Seite Satellitenbilder gefälscht worden waren, um der Ukraine eine Schuld an dem Abschuss zuzuweisen.

Krieg ist kein rechtsfreier Raum

Die lebenslänglichen Strafen vermögen den Tod von überwiegend niederländischen Urlaubsreisenden nicht zu sühnen. Und doch senden sie gerade jetzt, inmitten eines Krieges, indem sich die Beweise und Indizien auftürmen, dass die russische Armee ihn mit verbrecherischen Mitteln gegen die Ukraine führt, ein wichtiges Signal.

Noch immer scheint die Annahme, dass die Wahrheit das erste Opfer des Krieges sei, ein zentraler Katalysator für viele Kriegshandlungen zu sein. Aber es gibt Möglichkeiten, die vermeintlich in einem rechtsfreien Raum verübte Gewalt zu dokumentieren und zu ahnden. Sie hinterlässt Spuren, gerade auch in der digitalen Welt.