In der Dauerschleife: Das Fernsehen hängt wie Quasimodo an der Glocke

Kurz nach dem Jahreswechsel kommt die gewohnte Sendestruktur mit den altbekannten Gesichtern nur langsam in Schwung. Neue Ideen sind nicht in Sicht. Ein Kommentar.

Gina Lollobrigida und Anthony Quinn in „Der Glöckner von Notre Dame“ aus dem Jahre 1956
Gina Lollobrigida und Anthony Quinn in „Der Glöckner von Notre Dame“ aus dem Jahre 1956Imago

Der Januar markiert eine Übergangszeit, gerade auch hinsichtlich des Fernsehprogramms. Ein bisschen noch schwappen die Filmklassiker aus der Weihnachtszeit herüber. Nach „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ in der Endlosschleife zogen ein paar andere märchenhafte Filme nach. Als solchen jedenfalls könnte man die Romanverfilmung von Victor Hugos „Der Glöckner von Notre Dame“ von Jean Delannoy aus dem Jahr 1956 betrachten. Quasimodo und Esmeralda als ungleiches Paar einer platonischen Liebe, das Sinne und Gedanken gleichermaßen herausfordert.

Ich habe den Film ein paar Tage vor Bekanntgabe des Todes der hinreißenden Gina Lollobrigida gesehen, die die märchenhaft wilde und zugleich reine Esmeralda spielt, die als Kind von Roma gestohlen und mit dem verkrüppelten Quasimodo (Anthony Quinn) vertauscht wurde. In der Sendung „Kulturzeit“ auf 3sat wurde der Nachruf auf Gina Lollobrigida sogleich mit dem Hinweis verknüpft, dass der Filmklassiker noch in der Mediathek abzurufen sei.

Stummfilmhaftes Pathos

Victor Hugos Romanvorlage entwirft ein vielfältiges Bild des französischen Spätmittelalters, das im Film geradezu holzschnittartig auf den Gegensatz von Schönheit und Hässlichkeit reduziert und noch in der TV-Fassung vor allem vom Zauber des Cinemaskop-Formats profitiert – bigger than life. Die Frage, ob der Film eigentlich gut gealtert sei, habe ich für mich spontan mit einem skeptischen „na ja“ beantwortet. Vermutlich würde das stummfilmhafte Pathos der Figuren in einer modernisierten Version heute stark gedimmt. Immer noch faszinierend mit anzusehen ist indes, wie Anthony Quinn sich von Glocke zu Glocke schwingt, ein Nerd der hellen und der dumpfen Töne. Nach dem Tod von Gina Nazionale, wie die Lollobrigida schon früh hieß, erscheint jede weitere Mäkelei jedoch unangemessen.

Ein Bett im Dschungelcamp

Gilt das auch für andere Fernsehgestalten, die wie aus einem Zwischenreich in das Januar-Fernsehen hineingespült wurden? Die Abschiedsshow von der Bühnen- und Kunstfigur Jürgen Drews in der ARD hatte etwas Lustlos-Morbides. Das ewig-jugendliche Schlagergefühl („Sommerabend über blühendem Land“) schien an diesem Abend für abgeerntet erklärt worden zu sein. Einmal noch ins Kornfeld mit Jürgen und dann bitte Sendeschluss.

Der Trend geht jedoch in eine andere Richtung. Eine Verjüngung scheint nicht zu gelingen, und die Alten (Dieter Bohlen, Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger) bestaunen sich gegenseitig dafür, dass sie immer noch da sind. „Ein Bett im Dschungelcamp, das ist immer frei …/ Bald wird’s Sommer und was ist schon dabei.“