Ein Chor der Nobelpreisträger kämpft für Alaa Abd el-Fattah

Zur am Sonntag in Ägypten beginnenden Klimakonferenz wird der Autor nicht mehr nur auf Nahrung, sondern auch auf Flüssigkeit verzichten.

Die Schwester von Alaa Abd el-Fattah zeigt ein Protest-Poster in London.
Die Schwester von Alaa Abd el-Fattah zeigt ein Protest-Poster in London.Stefan Rousseau/PA Wire

In zwei Wochen erscheint im Berliner Verlag Klaus Wagenbach ein Buch mit dem Titel „Ihr seid noch nicht besiegt“. Es steht zu befürchten, dass dessen Autor Alaa Abd el-Fattah dann nicht mehr lebt. Der Schriftsteller, von manchen als Ikone des arabischen Frühlings gefeiert, von ägyptischen Politikern und Behörden immer wieder neu zum Feind erklärt, ist in Haft. Im April 2022 begann er einen Hungerstreik, seit Mai nimmt er im Gefängnis Wadi al-Natroun täglich nur 100 Kalorien zu sich. Er plant, ab dem 6. November, wenn die Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh beginnt, kein Wasser mehr zu trinken.

Im Vorwort des Buches berichtet die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein von den dessen schwierigen Entstehungsbedingungen. Alaa Abd el-Fattah wurde 2006 erstmals in Ägypten verhaftet, als er für die Unabhängigkeit der Justiz demonstrierte. Ab 2011 folgten immer wieder Phasen in Haft, es ging stets um seinen Einsatz für demokratische Regeln. In der kurzen Zeit in Freiheit schrieb er Essays.

Klimaschutz und Demokratie zusammen gesehen

Viele Texte aber wurden aus dem Gefängnis geschmuggelt; einer, schreibt Klein, „wurde gemeinsam mit einem anderen politischen Gefangenen verfasst: Zwei Haftgenossen riefen einander ihre Gedanken über den finsteren Gefängnishof hinweg zu.“ Klein ordnet den Kampf des Autors in die Situation in seinem Land und in die globalen Zusammenhänge ein und nimmt „uns alle“ in die Pflicht, die „wir es verfehlt haben, die Maschinerie der industriellen Umweltverschmutzung und des ausbeuterischen Handels zu stoppen“.

In Alaa Abd el-Fattahs Schriften gehören Demokratie und Klimaschutz zusammen, er schreibt gegen die Resignation an: „Wenn wir uns unseren Albträumen überlassen, sterben wir vor Angst, noch bevor die Flutwelle kommt.“ Doch nun scheint er der Macht des Wortes nicht mehr zu trauen. Hunger und Durst sind sein letztes Mittel.

Im Sinne der Menschenrechte und für das Überleben eines Aktivisten entstand ein Brief, der die Öffentlichkeit der Klimakonferenz nutzen will. Gerichtet an Bundeskanzler Olaf Scholz, Außenministerin Annalena Baerbock und weitere Politiker trägt er die Namen der literarischen Prominenz des Planeten: Die Literaturnobelpreisträgerinnen Swetlana Alexijewitsch, Annie Ernaux und Herta Müller haben zum Beispiel unterschrieben, auch ihre männlichen Kollegen Kazuo Ishiguro, Orhan Pamuk und Mario Vargas Llosa. Sie bitten, auf die Repräsentanten Ägyptens einzuwirken. Ihr Argument: Lesen Sie Alaa Abd el-Fattahs Texte.