Berlin - Nun also die Torstraße in Mitte. Sie gehört zu den nächsten Hauptverkehrsstraßen in Berlin, für die Planer und Politiker weitreichende Änderungen planen. Konkret bedeutet das für diesen Verkehrsweg, dass die Kapazität der Autofahrbahn halbiert wird und fast alle Autostellplätze wegfallen. Dafür entstehen Ladezonen sowie Radfahrstreifen, und dank neuer Gehwege werden auch die Fußgänger profitieren. Den Kraftfahrern wird viel Platz genommen, wer sich ohne Motor fortbewegt, gewinnt an Raum hinzu. Kein Wunder, dass im Internet ein Streit tobt. Die einen sprechen von einem „Wahnsinn an Straßenverknappung“, die anderen freuen sich, dass Radfahrer endlich eigene Fahrspuren erhalten.

So soll der westliche Abschnitt der Torstraße in Mitte künftig aussehen. 2024 soll der Umbau beginnen.

Eine Überraschung dürfte die Planung allerdings nicht sein. Denn bereits seit 2018 ist absehbar, dass es vielerorts so kommen wird. So lange gilt schon der erste Teil des Berliner Mobilitätsgesetzes, der für alle Hauptverkehrsstraßen in der Stadt geschützte Radverkehrsanlagen vorschreibt. Wenn die Verwaltung nun nach langen Vorbereitungen und teilweise auch Zögern an die Arbeit geht, ist das kein böser Wille. Vor allem ist es kein gesetzloser Terror gegen Kraftfahrer. Die Planer erfüllen den Auftrag eines Landesgesetzes, das auf demokratischem Weg zustande gekommen ist und gilt.

So verständlich die Wut ist: Es ist eine Diskussion, die immer altmodischer wirkt. Nicht nur vor dem Hintergrund der Erderhitzung muss sich die urbane Mobilität schneller als bislang ändern. Auch die enorme Energiepreissteigerung, die uns der Krieg Russlands in der Ukraine beschert, führt uns vor Augen, dass es nicht wie bisher weitergehen kann. Zu Recht denken immer mehr Autofahrer darüber nach, andere Fortbewegungsarten zu nutzen. Projekte wie das der Torstraße tragen dazu bei, Berlin zukunftsfähig zu machen.