Es war ein Werbegag, eine Marketingidee zur Gewinnung von Abonnenten. Und gleichzeitig die Erfüllung eines alten, grünen Traums. Das Berliner Null-Euro-Ticket für Busse und Bahnen, gedacht für Juni, Juli und August diesen Jahres, ist gescheitert.

Es ist ein Scheitern mit Ansage. Und es ist ein Scheitern von Berlins grüner Verkehrssenatorin Bettina Jarasch.

Jarasch hatte versucht, aus dem seltsam übers Knie gebrochenen Neun-Euro-Ticket der Bundesregierung zur Ankurbelung des Regionalverkehrs im ganzen Land einen Berliner Alleingang zu machen. Wer in Berlin mit einem Jahresabo fährt, sollte drei Monate nicht nur weniger (neun Euro), sondern gar nichts zahlen.

Das Fahrkartensystem ist zu kompliziert

Gestern musste Jarasch eingestehen, dass aus dieser Idee nichts wird. In der Kürze der Zeit ließen sich die vielen offenen Fragen nicht klären. Wie sollte mit den Abonnenten verfahren werden, die bereits Monats- oder Jahresverträge haben? Wie mit dem Sozialticket? Dem Jobticket?

Das Fahrkarten- und Preissystem ist, nicht nur bei BVG und S-Bahn, kompliziert. Zu kompliziert, um es in aller Schnelle auf den Kopf zu stellen. Außerdem wollte Brandenburg nicht mitmachen. Am Dienstag trat Jarasch den Rückzug an. Sie gab sich locker dabei, nach dem Motto: Den Versuch war es wert.

Doch es bleibt ein Scheitern. Es wird noch größer, wenn man weiß, dass die Pläne gar nicht so früh bekannt werden sollten. Jarasch wollte ihr grünes Klientel überraschen – und sich als Königin des Nulltarifs feiern lassen.

Das Berliner Scheitern beim Null-Euro-Ticket macht den Blick darauf frei, dass selbst das Neun-Euro-Ticket noch scheitern könnte. Eigentlich soll man es ab der nächsten Woche schon kaufen können.

Neun-Euro-Ticket: Freitag entscheidet der Bundesrat

Doch das Schnäppchen-Ticket muss noch vom Bundesrat genehmigt werden. Am Freitag tagt die Länderkammer. Und es haben bereits mehrere Bundesländer ihr Veto angekündigt – wenn der Bund ihnen nicht mehr Geld gibt, um die Einnahmeausfälle zu ersetzen. Wer Tickets viel billiger als üblich anbietet, wird kräftig Miese machen. Zugleich fürchten die Verkehrsbetriebe und Tarifverbünde im Land einen Ansturm auf Busse und Bahnen.

Jetzt ist es an Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), das Neun-Euro-Ticket doch noch durchzubringen. Sonst steht auch sein Name für das Scheitern einer unausgegorenen Marketingidee.