Das Beste, was am bislang heißesten Tag des Jahres passieren konnte, war, dass es am Sonntagabend tatsächlich spürbar kühler wurde. Die bald 38 Grad des Tages wichen nächtlichen 14 Grad. Ein Segen vor allem auch in jener Brandenburger Region etwa 40 Kilometer südlich und südwestlich der Berliner Stadtgrenze, wo seit Freitag die bislang größten Waldbrände dieses Jahres wüten.

Am Montagmorgen regnete es sogar. Kälte und Regen sind die besten Helfer der Feuerbekämpfer. Denn obwohl fast 1500 Feuerwehrleute in den Wäldern bei Treuenbrietzen und Beelitz ackerten und auch Löschhubschrauber unermüdlich ihr Wasser über den Brandnestern in den Wäldern abwarfen, konnten sie die verheerenden Flammen lange nicht unter Kontrolle bringen. Kein Wunder bei der Gluthitze. Ministerpräsident Dietmar Woidke nannte die Situation gefährlicher als 2018, dem bislang dramatischsten Waldbrandjahr.

Da stellt sich die Frage, warum in Brandenburg immer wieder solche  Brände wüten – ausgerechnet in jener Region, die weltweit am besten waldbrandüberwacht ist. Das Land verfügt über ein kluges Beobachtungssystem der Wälder, das es erlaubt, jeden ernsten Waldbrand sehr schnell zu erkennen. Die gesamte Welt – von Australien bis Amerika – zeigt reges Interesse daran.

Brandenburg führt jedes Jahr die Brandliste an

Doch trotz der Spitzentechnik werden jedes Jahr die gleichen Zahlen gemeldet: Brandenburg führt die bundesweite Brandliste klar an. Obwohl Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen viel größer sind, werden in Brandenburg mehr Brände gezählt und mehr vernichtete Flächen. Und das, obwohl die Feuer doch so schnell erkannt und bekämpft werden. Wie kann das sein? Und gibt es Lösungen?

Dass Brandenburg im bundesweiten Vergleich als „Feuerland“ bezeichnet werden kann, hat mehrere Ursachen: Erstens gehört Brandenburg traditionell zu den trockensten Gegenden, da dort weniger Niederschlag ankommt als an den Küsten und auch im Südwesten, der viel stärker vom Regen des Golfstroms profitiert. Brandenburg erlebte seit 2018 drei Dürrejahre in Folge mit massiven Waldbränden. Zweitens: Brandenburg steht im Vergleich der waldreichen Bundesländer auf Platz fünf.

Drittens: Die vielen Wälder bestehen auch noch zu mehr als zwei Dritteln aus Kiefern, die besonders brandanfällig sind. Der Grund: Der meiste Niederschlag fällt im Herbst und Winter. Laubbäume sind dann ohne Blätter und im Dämmerzustand – der Regen versickert gut und bildet neues Grundwasser. Nicht so in den immergrünen Nadelwäldern Brandenburgs. Dort bleibt ein Teil des Regens an den Nadeln hängen, ein anderer erreicht bestenfalls die Wurzeln der Bäume. Aber es bildet sich kaum Grundwasser. Deshalb brennen solche Monokulturen besonders leicht.

Dazu kommt, viertens, der Klimawandel, der die ungünstigen Ausgangsbedingungen eskalieren lässt. Und so kann in Brandenburgs Wäldern jeder Funke zum Großbrand werden, jede Zigarettenkippe, jeder heiße Autoauspuff, jede Glasscherbe im Wald, jedes Streichholz. Denn auch das darf nicht vergessen werden: Verursacht werden die Brände nicht nur durch Fahrlässigkeit, auch durch Brandstiftung.

Wegen all dieser Gründe hat Brandenburg nach dem Ende der DDR das weltweit beste Waldbrandwarnsystem aufgebaut: Landesweit hängen an mehr als 100 Türmen rotierende Kameras, die unentwegt die Landschaft abscannen und jede Rauchsäule erkennen.

Löscharbeiten sind lebensgefährlich

Doch auch das extrem schnelle Erkennen schützt nicht vor massiven Schäden. Jedenfalls nicht in Brandenburg: Denn es gibt noch Punkt fünf: Brandenburg ist auch noch das Land mit der meisten Altmunition im Boden. Denn am Ende des Zweiten Weltkriegs war es das große Schlachtfeld im Kampf um Berlin. Und im Kalten Krieg befanden sich dort die meisten Manöverflächen der Sowjets und der NVA.

In munitionsverseuchtem Gelände sind Löscharbeiten ein lebensgefährlicher Akt. Die Feuerwehrleute können nur auf wenigen geräumten Hauptwegen vorrücken, aber nicht hinein in die Wälder, wo die Feuer wüten.

Deshalb muss endlich mehr Munition geräumt werden. Die mit weitem Abstand größten Schäden richten die Brände in Sperrgebieten an. Die Räumung kostet Geld, das Brandenburg nicht hat. Deshalb ist der Bund gefragt.

Er muss die Initiative übernehmen und sich seiner Verantwortung stellen: Das heutige Brandenburg hat den Weltkrieg nicht allein verloren und kann mit den explosiven Altlasten des Weltkriegs und des Kalten Kriegs nicht alleingelassen werden. Der Bund muss endlich mehr Geld für die Lösung von Problemen bereitstellen, die auch 77 Jahre nach dem Krieg noch Menschenleben und ganze Dörfer bedrohen.