Die Berliner Universitäten stecken in einem Dilemma. Dieses aus dem Griechischen stammende Wort bezeichnet eine Situation, die zwei Entscheidungsmöglichkeiten bietet, von denen beide zu einem unerwünschten Resultat führen.

Auf der einen Seite stehen junge Wissenschaftler mit ihren Karriereabsichten. Sie haben es an der Uni schwer. Sie kämpfen sich zum Beispiel 15 Jahre lang von einer befristeten Stelle zur anderen – um am Ende bei einer Bewerbung zu scheitern. Nur fünf Prozent der sogenannten Postdocs schaffen es auf eine Professur. Anderweitig aber haben sie kaum eine dauerhafte Chance im Uni-System.

Wie man einen Weg dazwischen findet

Indem Berlin diesen Postdocs eine Chance auf dauerhafte Beschäftigung geben will, setzt es sich zwischen die Stühle. Wie ein neues Gutachten zeigt, verstößt das Land offenbar mit seiner eigenmächtigen Regelung im Berliner Hochschulgesetz gegen Bundesrecht, ja sogar gegen das Grundgesetz. Die Wahrung der Wissenschaftsfreiheit – so heißt es – verlange nach einer ausreichenden Zahl befristeter Stellen, auf denen sich immer wieder neue Nachwuchswissenschaftler qualifizieren könnten.

Das Dilemma heißt also zugespitzt: wissenschaftlicher Durchlauferhitzer für möglichst viele prekär Beschäftigte oder Verstopfung durch dauerhaft besetzte Stellen. Berlin sucht jetzt irgendwas dazwischen –auch, damit die Unis es überhaupt bezahlen können.

Deutschland schießt sich ins Knie

Wie immer es ausgeht: Es ist schon ein Drama, dass so viele hoch ausgebildete Wissenschaftler irgendwann die Universitäten verlassen müssen, weil man sie nicht beschäftigen kann. Viele von ihnen wandern in die Industrie oder ins Ausland ab, wo es Chancen für sie als Forscher gibt. „Deutschland schießt sich selbst ins Knie, indem es gut ausgebildete Wissenschaftler ziehen lässt“, schreibt jemand im Internet. Berlin hat zumindest einen Anstoß gegeben, dieses Problem endlich ernsthaft anzugehen.