Eines der grundlegendsten Prinzipien der kapitalistischen Volkswirtschaft ist das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Die Menschen, auch Kunden genannt, können also nur kaufen, was der Markt herstellt. Doch wird der Markt das herstellen, was die Menschen haben wollen. Der Staat muss deshalb kaum in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen, da der Markt sich selbst reguliert.

So lautet jedenfalls die Theorie, die jeder BWL- oder Volkswirtschaftsstudent lernt. Sogar in der Schule ist schon von den schier magischen Ordnungskräften namens Angebot und Nachfrage die Rede und deren Vorteilen gegenüber der Planwirtschaft.

An den auf diese Weise wohlgeordneten Kapitalismus musste ich denken, als ich dieses Wochenende einen Ausflug ins Umland machte. Noch vor dem Neun-Euro-Ticket, wohlgemerkt. Das gilt ja erst vom 1. Juni an.

Am Bahnhof Berlin-Ostkreuz wartete ich mit meinem Rad auf den RE2 Richtung Cottbus. Eigentlich war mir schon beim Anblick, den der Bahnsteig bot, klar: Das wird nichts. Ich sprach ein paar andere wartende Radler an und erfuhr, dass sie schon einen Zug hatten fahren lassen müssen, weil sie mit ihren Rädern nicht hineinpassten. Wartezeit auf den nächsten: eine Stunde. Doch der war genauso voll. Wieder passten nicht alle hinein.

Die Fahrradmitnahme ist bei der Deutschen Bahn nicht kostenlos

Es ist das alte Spiel. Seit Jahren schon. Im Ökonomielehrbuch sind wir die Nachfrage. Laut der Reiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) haben im vergangenen Jahr 5,3 Millionen Menschen die Bahn für die Anreise zu Tagesausflügen auf dem Rad und Radreisen genutzt. Und vergangenes Jahr gab es kein Neun-Euro-Ticket.

Doch mit dem Angebot hapert es, und man versteht nicht, warum. Die Radmitnahme ist ja schließlich nicht kostenlos, auch das Rad braucht eine Fahrkarte. Die Bahn verdient mit den Rädern Geld, und trotzdem frustriert sie jedes Wochenende zuhauf Menschen, die einen umweltfreundlichen Ausflug ins Umland machen wollen. Was ist los mit der Deutschen Bahn? Was ist mit dem Kapitalismus los? Dauert es wirklich so lange, mehr Platz für Fahrräder zu schaffen? Fürs Erste würde es zum Beispiel genügen, die Sitze in einem Wagen rauszunehmen.

Der Fahrgastverband weiß schon, warum er schweren Herzens vorgeschlagen hat, in den Monaten, in denen die Neun-Euro-Tickets gelten, ein Fahrradverbot in den Regionalzügen auszusprechen. Die Leute dort kennen einfach die Lage. Angekommen an meinem Ziel Groß Köris, erscheint der Vorschlag des grünen Verkehrspolitikers Stefan Gelbhaar geradezu zynisch, man könne sich doch vor Ort ein Rad leihen. Hier ist weit und breit keine Leihstation. Man kann schon froh sein, dass der Aldi offen hat.

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