G7-Gipfel: Wohin bloß mit den Händen, Herr Bundeskanzler?

Die G7-Treffen stehen im Verdacht, bloße Symbolpolitik zur Erzeugung schöner Bilder zu sein. Unterschätzen sollte man das aber nicht.

Weltenlenker posieren vor Alpenpanorama.
Weltenlenker posieren vor Alpenpanorama.POOL

Bundeskanzler Olaf Scholz, der das Wohin-mit-den Händen-Problem in Kiew zuletzt mit einer Vintage-Aktentasche löste, versuchte es diesmal mit einer Art Anti-Raute. Zum Gruppenfoto vom G7-Gipfel aus Elmau umfasst er die eigenen Hände in dem Bemühen, dabei nicht allzu verkrampft zu wirken. Das Verspielte liegt ihm nun einmal nicht.

In der Nähe des durch allerlei Albernheiten auffälligen britischen Premiers Boris Johnson mutet das geradezu sympathisch an. Johnson, dem das Hemd aus der Hose gerutscht ist, umringt Scholz und seinen kanadischen Amtskollegen Justin Trudeau in Fußballerpose, dabei dem einstigen ManU-Star Wayne Rooney nicht unähnlich.

Sind die Abwesenheit von Kriegssymbolik und -rhetorik und das giggelnde Tuscheln über Putin als Reaktion auf dessen aggressiven Imperialismus bereits die gute Nachricht? Der nicht für coole Lockerheit stehende französische Präsident Emmanuel Macron hat das Sakko abgelegt, Joe Biden entfaltet sein eingefrorenes Lächeln vor Alpenkulisse.

Das Kaschieren der eigenen Ratlosigkeit

In der politischen Ikonografie stehen die Fotos aus Elmau für demonstrative Lockerheit, die Weltenlenker begegnen einander im Modus des Informellen. Aufrüstung, Sanktionen, das schon. Aber man möchte doch zeigen, dass man schwierige Entscheidungen mit menschlichem Antlitz zu treffen vermag – und sei es auch nur, um die eigene Ratlosigkeit mit einem Lächeln zu kommentieren. Unterschätzen sollte man derlei Treffen nicht, auch wenn sie seit jeher dem stereotypen Verdacht ausgesetzt sind, bloß wegen der freundlich-idyllischen Bilder abgehalten zu werden. Es ist wie beim Umgang mit entfernten Verwandten, die einem nicht ganz geheuer sind. Eine einzige Begegnung – und die Hervorbringung der Illusion intimer Nähe vermag Weichen für die Zukunft zu stellen. Symbolpolitik ist dafür ein viel zu hässliches Schimpfwort.