„America is under attack“ sagte der Pilot unseres Lufthansa-Flugs. „Wir dürfen nicht mehr landen. Der Luftraum von Amerika wurde gesperrt – kein Flugzeug darf mehr starten oder landen.“ Schreiende Stille im Flugzeug. Wir wussten nicht, was passiert war. Wir konnten es uns auch nicht vorstellen. Bilder gab es nicht. Terrorflugzeuge gegen das New Yorker World Trade Center – das war nicht vorstellbar. Ich befand mich an Bord der Lufthansa-Maschine Richtung Miami. Ich sollte US-Luftwaffenstützpunkte besuchen. Auf mich warteten Interviewpartner auf US-Militärbasen im ganzen Land. Daran war jetzt nicht mehr zu denken. Der Flieger musste umkehren und in der Karibik einen Zwischenstopp machen. Niemand durfte vom Platz aufstehen. Es herrschte eine gespenstische Stille an Bord. Erst später konnte ich per Telefon meinen Partnern absagen, mein Lebenspartner Otfried Nassauer war erleichtert, als er meine Stimme hörte. Erst am nächsten Tag sahen wir uns wieder. Die Lufthansa hatte Taxis geordert. Per Taxi fuhr ich vom Frankfurter Flughafen nach Hause nach Berlin. Erst dann sah ich im Fernsehen die Bilder.

Susanne Härpfer ist Fernseh-Journalistin. 

Das ist ein Beitrag, der im Rahmen unserer Open-Source-Initiative eingereicht wurde. Mit Open Source gibt der Berliner Verlag freien Autorinnen und Autoren sowie jedem Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0). Er darf für nicht kommerzielle Zwecke unter Nennung des Autors und der Berliner Zeitung und unter Ausschluss jeglicher Bearbeitung von der Allgemeinheit frei weiterverwendet werden.