Der Anton ist an allem schuld. Mein ostpreußischer Ur-Ur-Urgroßvater Anton Siebert ist dafür verantwortlich, dass ich auf den Spuren meiner Vorfahren durch die Straßen von Berlin irre, um die Orte zu suchen, an denen sie gelebt haben. Dass ich die Friedhöfe besuche, auf denen sie begraben liegen, die Kirchen, in denen sie geheiratet haben und ihre Kinder getauft wurden. Aber auch, dass ich manchmal eine gefühlte Ewigkeit über einem unleserlichen Kirchenbucheintrag sitze, weil der Geistliche mal wieder in Eile war.

Das Hobby Ahnenforschung boomt seit längerem. Eine aktuelle Studie des weltweit führenden Portals Ancestry hat im Februar dieses Jahres ergeben, dass gerade jüngere Deutsche ein großes Interesse an Familienforschung haben. Bis zu 60 Prozent können sich demnach vorstellen, sich auf die Suche nach ihren Vorfahren zu begeben. Das war nicht immer so. Lange Zeit schien das Thema in Deutschland eher unbeliebt zu sein, weil dadurch vor allem unangenehme Erinnerungen an die Nazizeit geweckt wurden – an die Zeit der „Ariernachweise“, eine Ahnentafel, die vorzulegen für etliche Berufe verpflichtend war und deren leiseste Unregelmäßigkeit in Form eines jüdischen Vorfahren vernichtend sein konnte.

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