Florian Kerntopf und Yassin Taibi sind Musiker – die Berliner Rapper Audio88 und Yassin, um genau zu sein. Es ist ihnen aber immer noch etwas unangenehm, diesen Beruf in die Öffentlichkeit zu tragen. Bei der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Halleluja“ im Jahr 2016 reagierten Menschen, denen sie von ihrem Job erzählten, mit verzweifeltem Handgefuchtel im HipHop-Stil oder dem allzeit beliebten „Yo!“. „Ich hab mich in den letzten Jahren kaum noch Leuten vorgestellt“, sagt der 38-jährige Kerntopf am Telefon. 

Ganz offensichtlich ist die Außenwahrnehmung des deutschen HipHops in den letzten Jahren wieder schlechter geworden. Obwohl es bereits zur Zeit von Fanta 4 in den späten Achtzigern nicht mehr um Karren, Knarren und Bling-Bling ging, ist bei den Charthörern doch eher der Straßen- und Prollrap im Bewusstsein. Dabei gibt es Subgenres, die durchaus anders sind. Audio88 und Yassin etwa lassen sich am ehesten in Provo-HipHop verorten, wo man auch auf Kollegen wie Zugezogen Maskulin und K.I.Z. trifft. Ein Bereich, der von politischen und sozialkritischen Inhalten geprägt ist, der provozieren will und auch musikalische Anleihen aus Dub, Rock, Breakbeat oder Pop aufweisen kann. „Es war zwar nie der Ansporn, die Welt zu verändern, aber es ist schön, dass wir Denkanstöße geben“, sagt Kerntopf. „Wir wollen, dass Menschen wieder anfangen, ein Gewissen zu entwickeln und ihre Haltung in globalen oder lokalen Ungerechtigkeiten entwickeln, schärfen und immer wieder hinterfragen.“

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