Die Pandemie erreichte uns mitten in den Semesterferien und damit zu einer Zeit, in der ein Wohnheim eine besondere Art von Nicht-Ort ist: Auszüge und Einzüge finden statt, auf den Fluren begegnet man unbekannten Zwischenmietern. Wer hier sonst wohnt, besucht jetzt die Eltern, verreist, macht Praktika in anderen Städten oder zieht sich zur Prüfungsvorbereitung in Bibliotheken zurück. Der Hausalltag ruht.

Im Johanneum gibt es etwa dreißig Bewohner. Die meisten von ihnen studieren evangelische Theologie an der Humboldt-Universität. Mitte März 2020 der erste Lockdown. Wir waren neugierig darauf, nun den Menschen zu begegnen, die tatsächlich in Mitte wohnen. Viele schienen es nicht zu sein, denn die Straßen waren wie ausgestorben. Bei Spaziergängen über die Museumsinsel, zum Hackeschen Markt und durchs Regierungsviertel fühlte sich die Umgebung unwirklich an. Das Hintergrundrauschen von Stadtführungen, von „Can you take a picture?“ und dem metallenen Klang der Stimme, die die Spreerundfahrten begleitet, fehlte. Kein innenstadttypischer Slalom, kein Stop and Go, dafür einzelne Menschen, die manchmal ohne Grund stehen blieben. Es war, als würden sie das erste Mal begreifen, wo sie überhaupt wohnten.

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