BerlinIch habe den Eindruck, dass ich schon mal erlebt habe, was in der derzeitigen Veränderung der Weltordnung geschieht, nur mit anderem Vorzeichen: In den 1980er-Jahren konnte sich kaum jemand vorstellen, dass die Sowjetunion und damit der gesamte „Ostblock“ (wie er im Westen genannt wurde) zusammenbricht. Übrig blieben die USA als vermeintliche einzige Supermacht mit dem „Westblock“. China, das immer bestrebt war, zu beiden Blöcken gleiche Distanz zu halten, spielte im Spiel der Kräfte noch kaum eine Rolle. Nun ist es zum ernsthaften Mitspieler geworden, der auch die Spielregeln mitbestimmen will. Und der „Westen“ beginnt zu bröckeln – was man sich hier ebenso wenig vorstellen konnte, wie man es damals auf der anderen Seite konnte. Und nun will China auch noch wissenschaftlich und technologisch unabhängig werden.

In einem Grundsatzpapier zu China vom Januar 2019 räumt der Bundesverband der Deutschen Industrie ein, dass sich die Volksrepublik rasant in Richtung einer technologischen Führungsnation entwickele und auf einigen Feldern bereits heute technologisch an Europa vorbeigezogen sei. Geschafft habe sie das unter anderem auch mithilfe der Nutzung von Kapital, Technologie und Know-how deutscher Unternehmen, erzwungenem Technologietransfer und strategischen Übernahmen ausländischer Hochtechnologieunternehmen. Diese Argumentation bestärkt die in der Öffentlichkeit weithin verbreitete Meinung: China ist erfolgreich, weil es Technologien klaut.

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