Wovon man eben so träumt, wenn man im Herbst allein am Küchentisch sitzt ...
Foto: Imago Images

BerlinSitze am Küchenfenster, starre in die März-Sonne, rauche und denke nach. Jetzt ist viel Zeit dafür. Keiner da, außer Corona. Ich bin Mitte fünfzig und alleinstehend, wie man so schön sagt. Allein. Stehend, muss ja. Suche schon seit langem nach einer stabilen Beziehung, einer großen Liebe im fortgeschrittenen Alter. Finde kurze Liebschaften, Affären. Anstrengend. Liegt’s an mir oder an den Männern, ich weiß es immer noch nicht. 

Vor ein paar Monaten gerade eine unheilsame Beziehung mit einer „Diva“ beendet, der auch bei leichten Halsschmerzen schon Treffen absagte und immer nur von sich erzählte. Nun sitze ich hier. Wieder alleine. Ich muss nicht arbeiten, bekomme trotzdem Geld, warme Wohnung, Internet und Telefon funktionieren. Im Supermarkt gibt’s Essen. Frage mich, ob dieses Klagelied, das ich hier anstimme, sein darf, in dieser Zeit, in der Menschen in Krankenhäusern sterben, aber auch im Mittelmeer. Ja. Trotzdem. Eine Angst schleicht sich heran. Sie sagt, das wird jetzt so bleiben, du wirst von jetzt an immer alleine sein, nur die Katze wird neben dir an deinen langen Fernsehabenden schnurren. Ja, okay, aber war da nicht noch was anderes? Ein Mann, mit dem ich reden und lachen kann, ins Kino und auf Konzerte gehe, der mich in den Arm nimmt und Lust auf Sex hat. 

André, der Poet

Als im Sommer die Liebe zur Diva kaputt ging, wartete ich ein paar Monate und gab wieder eine Anzeige in der „Zitty“ auf. Es kamen viele Antworten, 30, 40 vielleicht. Ein paar der „usual suspects“, ein paar Neue. André zum Beispiel. Ein Poet. Schreibt starke sinnliche Sätze. Er mag französische Filme, aber nur in Schwarz-Weiß, schickt mir Fotos einer Ziege, mit der er in Italien befreundet ist, und Fotos vom Strand, auf denen man ihn nur als eine schmale Silhouette sieht. Er will mir kein Bild schicken, er zieht es vor „im wahren Leben die Puzzleteile zusammenzusetzen“. Wir verabreden uns fürs Kino – französischer Film – an einem Nachmittag. Draußen ist es kalt, ich bin müde von der Arbeit, der Winter hat mein Gesicht blass, die Augenringe dunkler, die Haare platt gemacht. Vor dem Kino ist niemand, ich haste rein – atemlos und mit klopfendem Herzen, leichter Schwindel, als würde ich gleich umkippen, aber gleichzeitig hundertprozentig präsent.

Mal mit jemandem schön und lustig ins Kino gehen!
Foto: Imago Images

Ich laufe ins Kino, im Innenraum sitzt ein Mann an einem Tisch, blonde Haare, Brille, sieht nett aus. Ich frage ihn, ’tschuldigung, bist du André? Er sieht mich an, grinst und schüttelt mit dem Kopf. Schade. Gehe wieder raus und warte. Und da – kommt er lächelnd auf mich zu. Groß, dünn, dunkle Haare, eine Wollmütze auf dem Kopf und ein Gesicht, in dem mir nichts gefällt. Ich verhasple mich in meinen ersten Sätzen, starre auf die weißen Krümel in seinen Mundwinkeln und die Spuckefäden, die sich beim Sprechen durch seinen Mund ziehen. Als wir nebeneinander im Kino sitzen, kurz bevor das Licht ausgeht, kommt der blonde Mann von vorhin an uns vorbei und lächelt mich an, als wollte er sagen, na, da haste ja deinen André doch noch gefunden. Ich finde das Leben sehr ungerecht in diesem Moment. Der Film geht vorüber, unser Danach-Gespräch beim Tee und Kaffee ist nicht langweilig, aber ich merke, wie ich langsam sehr müde werde. Wir verabschieden uns an der S-Bahn, er murmelt was von „Alles Gute“ und da weiß ich, dass auch er kein Interesse an mir hat. Vielleicht hat er sich eine fittere, schlankere Frau in anderen Klamotten vorgestellt? Jedes erfolglose Treffen  kratzt an meinem Selbstbewusstsein. Ich passe einfach nicht, zu niemandem.

Bernd, der Brahmane

Auch nicht zu Bernd. Der trödelt fünfzehn Minuten zu spät am Treffpunkt in Kreuzberg ein. Bin genervt von der Parkplatzsuche und dass ich ihn nicht erreichen konnte auf dem Handy. Aber eigentlich ist er mir erst mal sympathisch – klein, stämmig, mit Schiebermütze und Brille. Auf dem Weg zum Irish Pub aber quasselt er schon ohne Punkt und Komma. Als ich ihn frage, wo genau er denn arbeite, sagt er: „Im Bundestag“, und das klingt so, als müsse man jetzt Applaus vom Band einspielen. Ich lasse ein paar Sekunden verstreichen, vielleicht um ihn zu ärgern, weil er mir jetzt schon irgendwie auf die Nerven geht. Sage: „Und – muss ich jetzt beeindruckt sein?“ – „Warum?“, er dreht den Kopf zu mir und schaut mich an. „Na ja, weil du das in so einem bestimmten Ton gesagt hast.“ Er schweigt. Hätte jetzt vielleicht mal meine Klappe halten sollen, denke ich, aber zu spät.

Nach einem Bierchen und ein paar Erdnüssen werde ich wieder geselliger. Das Gespräch läuft ganz gut an. Aber nach zwei Bierchen rieche ich seinen Schweiß, nach drei Bierchen kann ich sein politisches Gelaber nicht mehr hören, irgendwann faselt er, er sei eigentlich ein Brahmane, und da denke ich, oh Shit, jetzt habe ich mir wieder so einen eigenbrötlerischen Einzelgänger, dem niemand zuhört außer mir, aus dem Haifischbecken geangelt. Obwohl – Haifischbecken, falsches Bild, eher so ein altes Aquarium mit blinden Scheiben und lauter halbtoten Fischchen, die noch ihre Runden ziehen. Nach gefühlten fünf Stunden darf ich endlich in mein Auto und nach Hause. Bin wütend auf mich selbst, zu inkonsequent, sollte nicht so viel Zeit in diese Treffen investieren, aber komm immer so schlecht da raus, vielleicht weil ich warte, dass doch noch etwas passiert, mein Gegenüber sich plötzlich durch eine unerwartete Bemerkung, eine besonders rührende Aufmerksamkeit oder einen Geistesblitz als der Richtige entpuppt.

Olaf, der Verrückte

Am nächsten Tag schreibt mir Olaf. Hoffnung kommt auf. Er sieht fröhlich aus auf seinem Foto, erinnert mich an den Vater meines Sohns. Breitschultrig, Bart, breites Lachen. Ich schicke ihm mein Foto, er antwortet prompt, ja, ich gefalle ihm. Tippe seinen Namen bei Google ein. Fußballtrainer. Mal was anderes, aber ist das ein richtiger Beruf? Wir schreiben hin und her, wollen uns treffen. Erst schlägt er Freitagabend vor, dann Sonntagnachmittag, dann geht das doch wieder nicht. Ich frage, was das jetzt werden soll. Und bekomme eine seltsame Mail. Ja, das mit den Terminen sei schwierig, denn er sei Berater der prominenten Politikerin soundso. Er bittet um Verschwiegenheit. Aha. Neuer Termin jetzt Sonnabendabend. Kino und davor ein Aperitif im Hotel am Oranienplatz.

Mal endlich wieder jemanden umarmen!  
Foto: Imago Images

Mittlerweile sind wir zu WhatsApp gewechselt und er hinterlässt mir minutenlange Sprachnachrichten, in denen er mir von all seinen Kontakten und seiner vielen Arbeit erzählt. Ich halte mich zurück. Er wird fordernder, sagt, ich sei ja ein wenig „lahm“, was Infos über mich betreffe, und solle mal ein bisschen Tempo geben. Ich reagiere nicht. Am Sonnabendmorgen dann neue Sprachnachricht. Er sei gerade in seiner Bankfiliale, der Geldautomat gehe leider nicht, er habe jetzt nur noch 10 Euro, die brauche er zum Einkaufen. Das Treffen müsse verschoben werden. Dein Ernst? Ich rufe ihn zum ersten Mal an, er geht nicht ran. Spreche ihm aufs Band. Keine Reaktion. Bin sauer, weil ich mich aufs Treffen gefreut hatte – trotz aller Fragezeichen – und weil ich nun wieder am Sonnabendabend allein vor dem Fernseher hocken werde, denn meine Freundinnen sind nicht die Lückenfüller meines Lebens.

Sonntagmorgen dann neues Lebenszeichen. Er treffe gleich Steinmeier – ja, genau den – und ich solle jetzt endlich sagen, in welcher Einrichtung ich arbeite, denn er könne da auf jeden Fall Geld organisieren. Ich schreibe, ich will kein Geld, ich will nur einen Mann. Zwei Stunden später dann seine letzte Sprachnachricht. Mit angespannter Stimme sagt er mir, es sei unverantwortlich, dass ich mir das Geld durch die Lappen gehen lasse – die Menschen, die ich betreue, könnten das Geld doch sehr wohl gebrauchen. Und überhaupt sei ich wahrscheinlich nur ein Fake – jetzt wird seine Stimme immer lauter – und in der „Zitty“ habe er sowieso noch nie eine normale Frau kennen gelernt und ich hätte ihn doch wohl auch einfach mal zum Kino einladen können. Er habe überlegt, ob er mich anzeigen solle, weil ich ein Fake sei, aber er sehe mal davon ab. Am Ende beschimpft er mich noch als „völlig bekloppt“. Ich starre auf mein Handy. Will die Nachricht sofort löschen aber dann denke ich, vielleicht brauch ich die noch, falls was passiert. Ändere die Mailbox-Ansage auf meinem Handy, damit er meinen Namen nicht hören kann. Das Flattern im Bauch vergeht erst am nächsten Tag.

Christian, der Familienmensch

Und dann treffe ich auf einmal, an einem Sonnabendabend, einen, der was will von mir. So was Richtiges. Christian ist Arbeiter, groß und breit, etwas verschlurft in seinem Gang und seiner Sprache, aber sympathisch und mit schöner Stimme und großen Händen. Er bringt mir Blumen mit zum ersten Treffen. In der Kneipe erzählt er mir von seinem Haus in Britz, von den zwei Kindern, drei Hunden und sechs Katzen, die da alle leben. 30 Jahre Ehe und Familie. Respekt, denke ich, wie hat der das geschafft. Aber … einen Moment lang zögere ich, dann frage ich, ja, und deine Frau, wohnt die da auch noch? Ich weiß es schon, bevor er „Ja“ sagt. Sie sind zwar getrennt, aber eben nicht räumlich.

Er erzählt vom Familienleben. Die letzten zehn Jahre waren die Hölle – so sehe ich das jedenfalls – und er hat sich nicht gerührt. Kann ich zwar nicht verstehen, aber anscheinend ist das hier kein Typ, der beim ersten Problem die Beine in die Hand nimmt. Beständigkeit. Auch gut. Er berichtet, wie sie in der Pause unter Kollegen mal über Trennung und Neuanfang geredet haben. Ein ungefähr gleichaltriger Kollege habe erzählt, ja, auch er habe eine gewisse Zeit gebraucht, um nach der Trennung von seiner langjährigen Partnerin wieder eine neue Frau zu finden. Wie lange denn?, habe Christian gefragt. Na ja, so eine Woche habe das schon gedauert. Ein anderer Kollege habe dann noch eingeworfen, er habe nur 24 Stunden gebraucht – Christian war geschockt. Wir lachen beide, als er das erzählt. Er fährt mich nach Hause – in seinem Auto riecht es definitiv nach Hund –, schickt mir am nächsten Tag Nachrichten mit lustigen Smileys. Er ist begeistert, ich bin berührt.

Mal schön mit jemandem kochen!
Foto: Imago Images

Aber kann das gut gehen? Er Arbeiter, ich mit Bildungshintergrund, er mit Großfamilie, ich alleine. Er ein Langsamtreter, ich eine Schnellschießerin. Beim dritten Treffen halte ich es nicht mehr aus, lege meine Hand auf seinen Arm und dann fahren wir zu mir und haben Sex. Schön und sanft und fast lautlos. Ich halte meine anhaltende Gerührtheit für Verliebtheit. Nach dem fünften oder sechsten Treffen merke ich aber, dass ich froh bin, wenn er wieder geht. Bin traurig, weil es nicht funktionieren wird. Versuche es noch eine Weile, aber ich komme nicht an gegen die Chemie, das Schicksal, irgendwas, was ich nicht unter Kontrolle habe. Sage es ihm, er trägt es mit Fassung. Vielleicht werden wir jetzt Freunde fürs Leben oder so.

Herr Unverbindlich

Ich treffe Herrn Unverbindlich verbindlich – oder war es verbindlich unverbindlich? – nach dem Kino in Kreuzberg. In den letzten Minuten des Films werde ich nervös. Gehe raus, draußen ist niemand. Gehe ein paar Schritte, dreh’ mich um, da sehe ich ihn, wie er langsam auf mich zukommt. Schmal und klein, Mütze, nette Augen, schöne Stimme. Die Aufregung der ersten Augenblicke ist wieder da, dieses Verwirrte in den ersten Sätzen, ja, hallo …, ja, der Film …, wohin jetzt …? Nach den ersten Schritten nebeneinander beruhige ich mich. Beim Kaffee bei Kuchen-Kaiser bin ich etwas schweigsam, aber er hält das Gespräch am Laufen. Schöne E-Mails hat er mir geschrieben, fast schon poetische Beobachtungen seiner Tage, in denen er immer deutlicher formulierte, was er eigentlich wollte: etwas unverbindlich Verbindliches, regelmäßige Treffen in „trauter Zweisamkeit“.

Schiefe Zähne hat er und Mundgeruch, und ich frage mich, ob ich diesen Mann küssen könnte. Beim Abschied draußen im eisigen Wind nimmt er mich noch in den Arm und drückt mich fest, das fühlt sich gut an. Als ich am Kottbusser Tor auf die U-Bahn warte, überkommt mich ein Frösteln. Unverbindlich verbindlich – will ich das? Hatte ich vor ein paar Monaten ja gerade mit dieser Diva. In den ich mich richtig verliebt hatte, der seinerseits aber rumeierte. Mal schrieb er, ja, doch, du gehst mich etwas an, dann wollte er das Ganze doch wieder beenden, weil er die Idee schön fand, dass sich unsere Wege wie die von zwei Sternen nur gekreuzt hatten, dann wollte er doch wieder, um mir zwei Wochen später zu schreiben, er sei jetzt lieber lange allein als mit der Falschen und er könne mich sowieso nicht lieben, aber vielleicht sehr gerne haben. Ein paar Monate ging das so, die mich völlig erschöpft zurückließen. Das Ganze jetzt noch mal, wenigstens bis der Richtige kommt? In Herrn Unverbindlich könnte ich mich wahrscheinlich nicht verlieben, aber sicher ist das auch nicht.

Und dann kommt Corona und entschleunigt meine Bemühungen. Kontakte reduzieren, soweit es geht. Ich schreibe Herrn Unverbindlich, dass ich ihn gern wiedersehen würde, dass wir ja mal einen Spaziergang mit Abstand machen könnten. Er schreibt zurück, das ist nicht das, was er will, eine Einladung zu einem Spaziergang. Nervig. Stellt der sich das jetzt wie einen Lieferservice vor? Eine erste Begegnung – okay, die hat Haare am Kopf, einen Busen und lange Beine, dumm ist sie auch nicht, mit der wird es schon irgendwie gehen und beim nächsten Mal nix wie ab in die Kiste? Schreibe ihm das so. Er lenkt ein, ja, okay, warum keinen Spaziergang, wir könnten uns ja bis dahin unsere Gedanken, Gefühle und Fantasien mitteilen. Eine Stunde später dann eine Mail, er könne sich das jetzt schon gut vorstellen, sein Kopfkino würde schon beginnen, wenn eine Frau ihm Einblick gewähre in Rock und Bluse. Ich antworte, dass ich nicht so der Typ für Rock und Bluse bin und vielleicht noch High Heels und aufregende Dessous, das war noch nie mein Ding, bin eher eine Frau der Praxis. Höre nie wieder was von ihm. Intime Gedanken und Gefühle, die ich ihm mitgeteilt habe, versickern – wie so oft – wieder im Nichts.

Und schließlich: Kuschelbaer etc.

An einem Sonntagmorgen bekomme ich das, was man wohl Torschlusspanik nennt. Sehe dieses Tor regelrecht vor mir, wie es sich langsam schließt und dann laut zuknallt, wie eine schwere Gefängnistür. Melde mich ein paar Minuten später wieder bei einem kostenlosen Internetportal an, auf dem die Erfolgschancen – das weiß ich mittlerweile – gegen null gehen. War dort schon mehrmals. Zwischen thor900, kuschelbaer und Ronaldo war nie der Richtige dabei. Die meisten fläzen sich auf ihren Fotos ungeniert ins Auge der Betrachterin, hoffen, dass jemand sie entdeckt, und geben sich einfach keine Mühe, auch und vor allem nicht beim Schreiben.

Diesmal ist es erst mal anders, denn es passiert … nichts. Kein einziger Besucher auf meinem Profil. Kann doch jetzt nicht sein. Auf dem einzigen Foto, das das Portal hochladen wollte, trage ich eine Sonnenbrille, sehe also bestimmt nicht zu alt aus. Schreibe an den Kundenkontakt, dann wird da was gerüttelt und es kann losgehen. Hey, schöne Lady, was machst du gerade …? Oder: Wow, sportliche Frau, wie geht’s? Ich lasse mich nicht entmutigen. Antworte Männern, die mir nicht gefallen, nur weil sie mir geschrieben haben, und lasse es dann irgendwann wieder. Schreibe Männern, die mir gefallen, bekomme keine Antwort oder nur: „Sorry, bist nicht mein Typ.“  Einer klingt erst mal ganz nett, arbeitet im Baumarkt. Nach zwei Tagen schreibt er, gerade habe jemand versucht, bei ihm einzubrechen, irgendein Kiffer. Da habe es einen auf die 12 gegeben. Er würde sich jetzt von der Arbeit einen ein Meter langen 6x6 Vierkantschlüssel mitbringen und wenn er den Typen noch mal sehe, werde er ihm aber „so was von richtig wehtun“. Er sei ja nicht gewalttätig, aber … Ich breche den Kontakt ab.

Ein anderer, der intelligent und sensibel zu sein scheint, fragt in der zweiten Nachricht nach meiner Körbchengröße und ob ich mal ein Foto schicken könne, auf dem man meine Brüste erkennen kann. Er gehe ja nicht mit einem Zentimetermaß durch die Gegend, aber das sei schon wichtig für ihn. Ich antworte, das fände ich unpassend, ich würde ihn ja auch nicht nach seiner Schwanzgröße fragen. Er schreibt, sein Schwanz sei 17 x 5 lang/groß und er nehme Potenzmittel, damit sein Schwanz auch ihm gut in der Hand liege. Zu viele Infos, schreibe ich, und wünsche ihm alles Gute. Ein Dritter sieht nett aus, schreibt mir, dann nicht mehr, dann doch wieder ein Lebenszeichen, dann gar nichts mehr. Profil löschen oder auf ein Wunder warten? Mensch, Männer!

Und jetzt am Fenster fliegt der Zigarettenrauch durchs Fenster und ich werde auf einmal sehr müde. Es ist ja schön in dieser wirren Zeit Familie und Freunde zu haben, viel zu telefonieren und mit Freundinnen spazieren zu gehen, aber bis zur nächsten Pandemie brauche ich einen Mann. Mit dem ich den ganzen Tag vertrödeln kann und immer wieder im Bett lande. Schöner Traum? Wie viel ist eigentlich 17x5? Muss mir mal ein Lineal holen.

Das ist ein Beitrag, der aus unserer Open-Source-Initiative entstanden ist. Mit Open Source gibt die Berliner Zeitung freien Autoren und jedem Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.

Dieser Beitrag unterliegt der Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0). Er darf für nicht kommerzielle Zwecke unter Nennung des Autors und der Berliner Zeitung und unter Ausschluss jeglicher Bearbeitung von der Allgemeinheit frei weiterverwendet werden.