Wovon man eben so träumt, wenn man im Herbst allein am Küchentisch sitzt ...
Foto: Imago Images

BerlinSitze am Küchenfenster, starre in die März-Sonne, rauche und denke nach. Jetzt ist viel Zeit dafür. Keiner da, außer Corona. Ich bin Mitte fünfzig und alleinstehend, wie man so schön sagt. Allein. Stehend, muss ja. Suche schon seit langem nach einer stabilen Beziehung, einer großen Liebe im fortgeschrittenen Alter. Finde kurze Liebschaften, Affären. Anstrengend. Liegt’s an mir oder an den Männern, ich weiß es immer noch nicht. 

Vor ein paar Monaten gerade eine unheilsame Beziehung mit einer „Diva“ beendet, der auch bei leichten Halsschmerzen schon Treffen absagte und immer nur von sich erzählte. Nun sitze ich hier. Wieder alleine. Ich muss nicht arbeiten, bekomme trotzdem Geld, warme Wohnung, Internet und Telefon funktionieren. Im Supermarkt gibt’s Essen. Frage mich, ob dieses Klagelied, das ich hier anstimme, sein darf, in dieser Zeit, in der Menschen in Krankenhäusern sterben, aber auch im Mittelmeer. Ja. Trotzdem. Eine Angst schleicht sich heran. Sie sagt, das wird jetzt so bleiben, du wirst von jetzt an immer alleine sein, nur die Katze wird neben dir an deinen langen Fernsehabenden schnurren. Ja, okay, aber war da nicht noch was anderes? Ein Mann, mit dem ich reden und lachen kann, ins Kino und auf Konzerte gehe, der mich in den Arm nimmt und Lust auf Sex hat. 

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