Moshtari Hilal und Sinthujan Varatharajah haben auf Instagram mit dem Video „Nazierbe, Kapital und Rassismus in Deutschland“ die gleiche Arbeit gemacht, die meine Familie und und viele andere Familien mit Migrationsvordergrund in Deutschland zu machen verdammt sind: die Almans von dem braunen Dreck zu befreien. Metaphorisch könnte man sagen, unsere Vorfahr:innen haben es manuell gemacht, in privaten Wohnungen, Großraumbüros usw. und wir machen es geistig, in Kunst- und Kulturräumen. Wir, die Menschen mit Migrationsvordergrund, müssen die Almans immer wieder daran erinnern, dass sie die Menschen mit Nazihintergrund sind, weil sie es anscheinend immer wieder vergessen.

Dieses Malheur ist auch Emilia von Senger passiert, die einen großen Buchladen aufgemacht hat, von dem Geld ihres Erbes, in einer Wohngegend, die gerade vollkommen gentrifiziert wird und in der viele Einwohner:innen darum kämpfen, nicht aus ihrer Wohnung geschmissen zu werden (She said am Kottbusser Damm 79, Anm. d. Red.) Das Ganze wäre nun kein großes Ding gewesen, wenn der Buchladen nicht mit der Penetranz eines öffentlichen Heiratsantrags Marketing gemacht hätte, nur feministische und queerfeministische Bücher zu verkaufen, ohne dabei zu erwähnen, woher genau das Kapital für diesen Laden stammt. Die Feuilletons, die in großer Zahl berichteten, haben sich ebenso wenig für diese Frage interessiert.

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