Sie ist lang, schmal und liegt ganz im Osten Berlins: die Hönower Weiherkette. Am U-Bahnhof Hönow steige ich aus der U5. Ich quere die Böhlener Straße und bin in wenigen Minuten am Ziel. Zur Hönower Weiherkette gehören nicht nur zwölf Weiher (also flache, kleine Gewässer) sondern auch die benachbarten Wiesen und Gebüsche. Das Gebiet ist rund 50 Hektar groß, vergleichbar mit 70 Fußballfeldern. Es ist noch früh am Morgen.

Die tief stehende Sonne wirft auf die Wiese ein weiches Licht, das den Tau zum Glitzern bringt. Ich laufe durch ein Netz aus Wegen und Pfaden. Mal geht es über eine große Wiese mit Birken und Obstbäumen, mal habe ich das Gefühl, ich wäre mitten im Wald. Und ich staune: Vom Verkehr auf den nahen Straßen bekomme ich wenig mit. Für die Hellersdorferinnen und Hellersdorfer ist das komfortabel: Innerhalb weniger Gehminuten erreichen sie einen perfekten Ort für eine Auszeit.

Die Lebensräume der Unken und Kröten sind bedroht

Das Gebiet ist auch für den Naturschutz wichtig – hier wurden schon seltene Arten wie die Rotbauchunke und die Knoblauchkröte gefunden. Kein Wunder, dass das Gelände ein Landschaftsschutzgebiet ist. Ich laufe über die Louis-Lewin-Straße, die die Hönower Weiherkette in der Mitte durchschneidet. Weiter geht es in Richtung Westen. Nur in wenigen Weihern ist Wasser zu sehen. Durch den Eintrag von Nährstoffen und starkes Pflanzenwachstum sind viele Weiher verlandet. Die Temperaturen der letzten Sommer haben das Austrocknen gefördert. Dadurch sind die Lebensräume der seltenen Unken und Kröten bedroht.

Karsten Zeidler
Der Beerenpfuhl führt Wasser, andere Pfuhle sind trocken.

Fast am Schluss meines Ausfluges erreiche ich den Beerenpfuhl. Immerhin ist hier noch etwas Wasser vorhanden. Auf alten Karten wird die Hönower Weiherkette als „Die kühlen Gründe“ bezeichnet. Der Name ist auch heute noch Programm: nachweislich ist die Weiherkette für die benachbarte dicht bebaute Wohnsiedlung ein klimatischer Ausgleichsraum. Vor allem in Hitzeperioden kühlt sich die Grünfläche stärker ab und sorgt für Abkühlung. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf will die Weiherkette bis Herbst 2022 aufwerten: ein Holzpfad wird saniert und ein Naturerlebnispfad neu angelegt. Auf den Wiesen sollen Rinder weiden und verhindern, dass sich Gehölze ansiedeln. Die Vielfalt der Lebensräume bleibt dadurch erhalten.

Nach einem entspannenden 2,5 km langen Spaziergang erreiche ich die Stendaler Straße. Damit habe ich die Hönower Weiherkette durchquert, ein bestens erreichbares Ziel im erstaunlich grünen Hellersdorf. Wer an dieser Stelle noch nicht genug Natur gesehen hat – bis zum Wuhletal sind es nur zwanzig Gehminuten.

Karsten Zeidler
Baumblüte nahe der Böhlener Straße

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