Auch das gehört dazu: Bauarbeiter markieren die neuen Radwege, hier in Steglitz auf der Schlossstraße
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Berlin Ist doch eigentlich ganz nett, dass wir Berliner für so viel Freude in der ganzen Welt sorgen. Jahrelang wurde über eine gewisse Großbaustelle gelacht. Besonders gefallen hat mir: Für das Geld, das der BER bisher gekostet hat, hätte man jedem Menschen in Deutschland inzwischen 82 Kugeln Stracciatella-Eis kaufen können. Herrlich! Nun soll er fertig sein. Aber, liebe Leute, kein Grund für Wehmut. Es gibt da ja noch die vielen kleinen Baustellen in der Stadt. 

Bei uns in der Straße werden die Gullys erneuert. Möglicherweise auch die Abwasserrohre. Ich weiß es nicht genau. Fakt ist: Es dauert schon ganz schön lange. Im November vergangenen Jahres stellten sie Schilder auf. Parkverbot. Wegen Bauarbeiten. Dann passierte erst einmal nix. Dann kam Weihnachten. Nichts passierte. Die ersten ganz Mutigen stellten ihre Fahrzeuge während der Feiertage in das Halteverbot. Das neue Jahr kam. Nix passierte. Man gewöhnte sich an den Zustand, ignorierte das Parkverbot. Und dann, siehe da: Sie rissen die Straße auf mit einem großen Bagger. Nach einer Woche war er wieder weg. Dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. Dann die ersten Lockerungen. In unserer Straße passierte: jenau, nüscht!

Doch eines Tages ging es weiter. Es war die vorletzte Woche der Sommerferien. Brüllend heiß. Es ist ja klar, dass man da beizeiten anfangen muss, damit man die Mittagshitze bei schweißtreibender Arbeit vermeidet. Ich meine, es ist schon anstrengend, dem Kollegen, der unten in der schmalen Grube schaufelt, von seinen entgangenen Urlaubsfreuden zu berichten. Kollege drei (es müssen immer drei sein!) nickte zustimmend und rauchte. Es war viertel vor sieben am Morgen. Und – hurra! – auch der Bagger war wieder da.

Er kam die Straße runtergedröhnt und setzte die Arbeit in der Grube fort. Der Kollege, der eben noch dort gebuddelt hatte, schaute sich jetzt das Baggern gemeinsam mit den anderen zwei an. Mal ganz ehrlich, schon mal auf die Idee gekommen, dass andere Leute auch nicht verreisen konnten und nun ihre Sommerferien auf Balkonien verbringen? Natürlich möchte man da gerne von einem imposanten Baufahrzeug geweckt werden. Und statt Lavendelduft in der Provence nun Zigarette und Bagger-Diesel. Spitze!

Mittags um eins war der Spuk vorbei. So ging es vierzehn Tage. Dann endeten die Ferien. Die Kinder müssen nun wieder um acht Uhr in der Schule sein, folglich ist frühes Aufstehen angesagt. Der Bagger ist weg. Still ruht die Baustelle. Bis heute morgen. Da dampfte die ganze Straße mystisch im Morgenlicht. Der Teerwagen war da. Ist jetzt ein Ende in Sicht? Man munkelt im Kiez, dass im November die Automaten für die Parkraumbewirtschaftung aufgestellt werden sollen. Ein ewiger Kreislauf. The Circle of Baustelle. So is det in Berlin.

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