Mit welchen Voraussetzungen bewirbt man sich für einen Job?
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BerlinNeulich las ich in dieser Zeitung eine Stellenanzeige. Public Advertisement stand dort in roten Versalien. Oha! Was ist das? Es war keine kleine Anzeige. Die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik Nigeria hatte sie aufgegeben. For the underlisted jobs las ich und fragte mich, welcher Posten wohl vakant sei? Vielleicht suchten sie eine Bürokraft? Oder einen Gärtner? Vielleicht brauchten sie einen Portier? Sicherheitskräfte? Alles Mutmaßungen. Ich ging davon aus, es handle sich eine Art Dienstleistung.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, welche Jobs in einer Botschaft so anfallen. Auch ist mir das entsprechende englische Vokabular nicht wirklich geläufig. Aber ich wurde neugierig und las weiter. Submit their bids in a sealed envelope. Ui! In einem verschlossenen Umschlag. Das verstand ich. Es klang ein bisschen nach James Bond: Im Auftrag Ihrer Majestät.

Ich überflog die nächsten Zeilen und schnappte physical inspection auf. Nun ja, so ein Sicherheitsmensch sollte körperlich schon fit sein. Ich fühlte mich in meiner Vermutung bestätigt, dass es sich um eine derartige Aufgabe handeln müsse. Außerdem ist es doch verständlich, dass die Bewerber bei einer wichtigen Einrichtung wie dieser auf Herz und Nieren geprüft werden.

Dann waren drei Jobs aufgelistet und ich staunte nicht schlecht. Vor allem, weil darunter ein Hinweis folgte, dass es eine öffentliche Veranstaltung geben würde, in der alle verschlossenen Umschläge mit den eingegangenen Angeboten geöffnet würden. Daher wäre es sinnvoll, wenn alle Firmen oder Bewerber, die ein solches abgegeben hatten, einen Vertreter schickten, um der Öffnung der Umschläge beizuwohnen. So könnten sie bezeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Donnerwetter.

So, jetzt wollen Sie sicherlich wissen, welche Jobs die Botschaft zu vergeben hat! Mit irgendeiner Art von Dienstleistung lag ich gar nicht so falsch. Die eine Aufgabe ist im Büro im dritten Stock zu verrichten. Aha, doch die Schreibkraft, die gesucht wird. Denkste! „Replacement of window curtains.“ What!? Vorhänge wechseln?

Ebenso an der Rezeption. Dort gibt es noch eine weitere Aufgabe: „Replacement of Settees.“ Ich kannte das Wort nicht und googelte: Sofas. Möbelrücken ist also angesagt. Und schließlich wünscht sich der Sekretär der Botschaft: „Renovation/transformation of the office.“ Wow. Den merke ich mir. Wenn wir demnächst unsere Wohnküche streichen und einen neuen Esstisch anschaffen, werde ich meinen Freunden erzählen: Wir haben zu Hause das Zentrum unseres familiären Zusammenlebens transformiert. Klingt doch spitze, oder?

Mit welchen Voraussetzungen bewirbt man sich für diese Jobs? Als Handwerker? Raumausstatter? Hausfrau? Ein Youtube-Video, das einen beim flotten Gardinenaufhängen zeigt, könnte hier als Referenz herhalten. Aber das passt ja leider nicht in den verschlossenen Umschlag. Die physical inspection bezog sich übrigens nicht auf die Bewerber, sondern auf die Räumlichkeiten. Es gab die Möglichkeit, sich vor Ort ein Bild von den anfallenden Arbeiten zu machen. Vielleicht hätte ich einfach hingehen sollen. Aber wer macht dann zu Hause die Wäsche?

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