Ich fühle mich als Europäerin, möchte es so gern sein, doch ich bin es nicht. Auf meinem Reisepass steht an erster Stelle „Europäische Union“ und dann erst „Bundesrepublik Deutschland“. Doch realistisch gesehen stimmt diese Reihenfolge nicht. Der nationale Status überwiegt klar, und der Europäerstatus fühlt sich an wie eine Sonnenbrille, die mich zwar vor den blendenden Strahlen schützt, jedoch nicht vor dem eigentlich gefährlichen UV-Licht.

Tatsächlich sind wir, Bürgerinnen und Bürger von Europa, bisher alle einfach nur „Pseudoeuropäer“. Ich erinnere mich an Bruchstücke einer Unterhaltung, die ich im Frühling 2012 auf einer Pariser Party mit einem Ohr mithörte. Damals war ich schwanger, fühlte mich, obwohl ich keinen Tropfen Alkohol angerührt hatte, benommen und unwohl. Es roch nach Pizza und Zigaretten und ich hatte ständig das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Der eine Typ in der Runde sagte immer wieder: „Mais non, l’UE ne fonctionne pas, et ça ne fonctionnera vraiment jamais!“ (Aber nein, die EU funktioniert nicht und das wird alles nie wirklich funktionieren!)

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