Gerhard Danelius und seine SEW (der West-Berliner Ableger der SED) kamen bei Abgeordnetenhaus-Wahlen im Westteil der Stadt selten über zwei Prozent. Dennoch war es Pflicht im Sender Freies Berlin, über Danelius und die SEW zu berichten, wenn er seinen alten Freund, das SED-Politbüromitglied Albert Norden, nach West-Berlin einlud und mit ihm eine Pressekonferenz in einem Lokal gegenüber der Technischen Universität an der Hardenbergstraße gab.

Danelius, dessen Eltern in Auschwitz ermordet worden waren, galt als recht honoriger Mann. Doch seine politischen Ansichten, seine kleine Partei und deren Zentralorgan „Die Wahrheit“ waren verpönt und Zielscheibe bissiger Kommentare. Ausgerechnet den in West-Berlin erscheinenden „Extra-Dienst“ des SPD-nahen Carl Guggomos bezeichnete die „Wahrheit“ als von der CIA finanziert. Und Guggomos geriet nach der Wende – wie so mancher Journalist im Westen – unter dringenden Stasi-Verdacht. Der Stasi-Jäger Hubertus Knabe meinte in seinen Enthüllungen über den (so der Titel seines Buches) „diskreten Charme der DDR“ ein weit verzweigtes Netz von Inoffiziellen Mitarbeitern in Westdeutschland und West-Berlin entdeckt zu haben, darunter etwa drei Dutzend Journalistinnen und Journalisten. Davon blieb der Sender Freies Berlin und auch der Berliner Journalisten-Verband offensichtlich nicht verschont.

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