Denkmal für "Trostfrauen" in Moabit, errichtet von der „AG Trostfrauen“ im Berliner Verein Korea-Verband.
Foto: Berliner Zeitung/Benjamin Pritzkuleit

BerlinGedenken an die Schrecken des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg gibt es oft. Dabei liegt aber der Fokus fast immer auf Europa, es wird meist vergessen, dass der Krieg auch in Asien tobte. In der Moabiter Birkenstraße wurde letzte Woche ein Denkmal enthüllt, das an einen ganz besonderen Aspekt des Asiatisch-Pazifischen Krieges erinnert: an die „Trostfrauen“. 

Die mit dem NS-Staat verbündete Regierung in Tokio zwang zwischen 1937 und 1945 junge Mädchen und Frauen dazu, den japanischen Soldaten als Sexobjekte zur Verfügung zu stehen. Der zynische Name „Trostfrauen“ sollte andeuten, dass die Soldaten durch den Sex mit den teilweise erst 11 Jahre alten Kindern getröstet werden sollten. Die meisten dieser Mädchen und Frauen waren Verschleppte aus China und Korea, aber auch aus anderen besetzten Ländern wie Indonesien, Malaysia oder den Philippinen.

Seriöse Schätzungen gehen von 200.000 Opfern aus, chinesische Quellen sprechen sogar von bis zu 400.000. Der Korea-Verband erinnert nun erstmals mit einem Denkmal an diese Gräuel der sexualisierten Gewalt. Am Montag vergangener Woche wurde die Friedensstatue an der Ecke Birken- und Bremer Straße eingeweiht. Jeden Mittwoch hatten überlebende „Trostfrauen“ seit 1992 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul vor der Botschaft von Japan demonstriert.

Bei der 1000. Kundgebung im Jahr 2011 wurde erstmals das Original der Friedensstatue gezeigt. Was wie eine einfache Installation aussieht – zwei Stühle, auf einem sitzt eine Frau –, ist jedoch voll Symbolik. Die Tracht der jungen Frau, ihre Haare, die leicht angehobene Ferse, die geballten Fäuste, der leere Stuhl. Und auf dem Boden der Schatten einer alten Frau. Jahrzehntelang wurden die „Trostfrauen“ auch in ihren Heimatländern oft verachtet und ausgestoßen. Erst im oft hohen Alter ging ein Teil von ihnen 1991 erstmals an die Öffentlichkeit: „Die japanische Regierung ist es, die sich schämen muss – nicht wir!“

Das ist jedoch kaum zu erwarten. Eine Aufarbeitung der eigenen Geschichte während des Krieges gab es in Japan bis heute nicht. Und so reagiert Tokio selbst hier, im 9000 Kilometer entfernten Berlin, empfindlich darauf, dass dieses Thema nun öffentlich wird. Noch am Tag der Einweihung der Friedensstatue intervenierte die japanische Botschaft im Bezirksamt Mitte. Sie forderte, das Denkmal wieder abzureißen. Damit liefert sie jedoch den besten Beweis für dessen Notwendigkeit.

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