BerlinHeiligabend 1945. Trümmer überall. Von gegenüber aus dem Gemeindehaus der evangelischen Genezareth-Gemeinde erklang alles übertönend das Luther-Lied „Vom Himmel hoch“. Das Gotteshaus am Neuköllner Herrfurthplatz war Ende Januar 1945 bei einem Bombenangriff schwer zerstört worden. Die Decke war auf die Empore gestürzt. Die Dachsparren waren abgebrannt. Der Vorplatz zum Kircheneingang wurde zur Lagerung von Panzerfäusten benutzt, mit denen der „Volkssturm“ aus Kindern und Greisen Berlin verteidigen sollte.

Die Panzerfäuste lagerten auch noch nach Kriegsende dort und wurden einigen allzu neugierigen Kindern und Jugendlichen zum tödlichen Verhängnis. Zur Sicherheit der Flugzeuge, die auf dem nahe gelegenen Flughafen Tempelhof starteten und landeten, ließ der amerikanische Stadtkommandant General Howley den Rest des Glockenturms samt Glockenstube mit drei Glocken abtragen. Seither spielte sich das kirchliche Leben im Gemeindehaus an der Schillerpromenade ab. Im November 1947 wurde dort im Garten eine kleine Glocke in einem Glockenstuhl eingeweiht, die uns bis ins Jahr 1957 an jedem Sonntagmorgen aus dem Schlaf weckte.

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