„Sind Sie geimpft?“ Oder auch verschärft: „Sie sind doch geimpft, oder?“ Die Grenzen des Fragbaren haben sich rasant verschoben: Eine Frage, die früher nicht gestellt wurde, weil sie in den Bereich des Privaten, Höchstpersönlichen gehörte, fällt seit einigen Monaten einer gesellschaftlichen Maschinerie anheim, die schonungslos den Offenbarungseid verlangt.

Ein schlechtes Gewissen müssen dabei nur diejenigen haben, die sich nicht offenbaren wollen, und schon im selben Moment sind sie ertappt. Diejenigen, die die Frage stellen, fragen reinen Gewissens – weil sie als selbstverständlich Geimpfte nämlich als einzige ein reines Gewissen haben dürfen. Bei Geimpften fällt ein regelrechter Offenbarungseifer, geradezu eine Offenbarungslust auf. Freimütig und ungefragt äußern sie sich in allen passenden und unpassenden Situationen: „Ich bin ja – doppelt – geimpft!“

Das hohe Lied der Impfung als einzig denkbares Heilsversprechen

Mit diesen Zeilen habe ich mich als Nicht-Geimpfte geoutet. Ich ordne mich damit klar einem der beiden Lager zu, in die die Bevölkerung seit geraumer Zeit eingeteilt ist und gehöre nun offen zu denjenigen, die ihren Egotrip ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Gesamtbevölkerung durchziehen. Dass ich diesen Eindruck erwecke, gefällt mir nicht; ich ziehe keinen Gewinn aus diesem Status, zumindest spüre ich ihn nicht, im Gegenteil. Aber wenn ich mich schon über die beschwere, die mich so gnadenlos ein- und damit aussortieren, will ich nicht verhehlen, dass auch ich selbstverständlich „die anderen“, die das hohe Lied der Impfung als einzig denkbares Heilsversprechen für uns alle und den ganzen Erdball singen (urbi et orbi), auf der anderen Seite einordne, dort, wo ich ausdrücklich nicht stehe.

Und natürlich zeugt es von gewaltigem Dünkel und intellektueller Arroganz, dass ich denjenigen, der in der Impffrage nicht so denkt wie ich, des Nicht-Denkens bzw. Nicht-genug-Denkens bezichtige. Die anderen machen es genauso, nur in die umgekehrte Richtung. Eine Verständigung, eine Chance der Überzeugung, oder zumindest der gegenseitigen Achtung, gibt es, soweit ersichtlich, nicht. Ja oder nein, schwarz oder weiß, ex oder hopp. Ich wehre mich dagegen, dass ich als mündiger, selbstständig denkender Mensch ohne weiteres als Verschwörungstheoretikerin und Corona-Leugnerin abgestempelt werde. Menschen wie mich, die nicht verschworen sind und Corona nicht leugnen und sich dennoch nicht sofort und mit Begeisterung impfen lassen, gibt es offiziell in unserem Land nicht.

Bestenfalls gelte ich als jemand, der bisher zu faul war, der nur mal seine Trägheit bzw. seinen „inneren Schweinehund“ , wie Robert Habeck sich ausdrückt, überwinden muss, um zur einzig richtigen und einzig akzeptablen Tat zu schreiten. Dass ich – nach gründlichem und immer neuem Nachdenken – sehr viele gut begründete Vorbehalte in mir habe, kommt in der medialen und politischen Berichterstattung über „Impfverweigerer“ wie mich nicht vor.

„Vielleicht werde ich mich impfen lassen, wenn man mehr weiß. Oder wenn der Druck zu groß wird“

Ich bin übrigens gar keine Impfverweigerin. Vielleicht werde ich mich in einem oder zwei Jahren impfen lassen, wenn man mehr weiß, das kann durchaus sein. Oder wenn der Druck zu groß wird. Ich habe nur – nach ausführlichem Einsammeln von Informationen – über die unstrittig unkalkulierbaren Folgen dieser in extrem kurzer Zeit entwickelten völlig neuen Impfstoffe meine Skepsis nicht beseitigen können. Da ich aber eben nicht in das Lager der Unsäglichen gesteckt werden, sondern in meiner ganzen (durchaus nachdenkenden) Komplexität wahrgenommen werden wollte, habe ich mir nach einer kurzen Anlaufphase angewöhnt, mich bezüglich der Eigenschaften der Impfstoffe und der leichten und schweren Nebenwirkungen und Komplikationen sowie der impfbedingten Todesfälle demonstrativ nicht aus den Quellen zu unterrichten, die man gemeinhin als „Verschwörungskanäle“ bezeichnet.

Wenn ein eigentlich schlauer Gedanke in solch einem Medium veröffentlicht wird, ist er verbrannt. Wenn es vorher ein scharfsinniger Gedanke war, ist er verschrien und indiskutabel, sobald er etwa in Rubikon gefunden wurde. Ob diese Medien im Anhang wissenschaftliche Quellen zitieren, die jeder nachprüfen kann, ändert daran nichts. Alles, was auf diesen Kanälen verlautbart wird, erreicht nur immer wieder diejenigen, die schon vorher die Meinung vertreten haben, die diese Kanäle gern evozieren wollen. Menschen „von außen“ werden nicht erreicht.

Die erste Informationsquelle, die ich anzapfe, seit ich um die anrüchigen Kanäle einen Bogen mache, sind ÄrztInnen aus meinem privaten und beruflichen Umfeld. Die zweite Informationsquelle, der ich vertraue, sind Mitteilungen von Freundinnen, die mir das weitererzählten, was ihre Verwandten, Bekannten und Freundinnen nach ihren Impfungen berichteten. Die dritte Informationsquelle sind Berichte von medizinischem Fachpersonal in Kliniken, mit denen einige meiner Freundinnen bekannt sind. Die vierte und letzte Informationsquelle sind Veröffentlichungen in medizinischen Fachzeitschriften, die ich als medizinischer Laie mit Biologie-Leistungskurs vor 40 Jahren verstehen kann.

Ich glaube also, mit gutem Gewissen behaupten zu können, dass ich recht gut Bescheid weiß. Je mehr ich höre und je mehr ich lese, desto rätselhafter wird in meinen Augen das derzeitige Geschehen.  Niemand weiß, auf welche Weise unser Körper aufgrund seiner ungeheuren Komplexität auf im Labor hergestellte, künstliche RNA reagieren könnte. Auch der fähigste Wissenschaftler kann nicht vorhersagen, ob die Wirkung der fremden RNA und ihrer Transportsubstanzen sich auf das erhoffte Ziel beschränken wird (Bildung von Antikörpern gegen Sars-CoV-2) oder ob es darüber hinaus zu weiteren, unbeabsichtigten späten und dauerhaften Auswirkungen auf den menschlichen Organismus kommen kann. 

Warum werden „falsche“ Informationen nicht einfach entkräftet?

Dass das Nicht-darüber-Reden momentan so gut funktioniert, wenn es um möglicherweise gar nicht so ungefährliche kurzfristige und langfristige Wirkungen der Corona-Impfstoffe im menschlichen Körper geht, verstört mich. Jede Aufklärung, die man sich im Lager der impfwütigen Politiker angeblich so wünscht, um die angeblich Trägen und Faulen zu überzeugen, erfolgt ausdrücklich nicht. Ich konsumiere täglich Printmedien und öffentlich-rechtliche Kanäle. Man klebt dort – bis auf wenige Ausnahmen – an der Oberfläche, dementiert dieses, nivelliert jenes an die Öffentlichkeit gelangte unbequeme Detail, meistens mit den Argumenten des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), die beide Institutionen des Gesundheitsministeriums sind.

Wenn diese Zurückhaltung dem Zweck dient, die Impfbereitschaft nicht zu schmälern, dann dürfte der Schuss wahrscheinlich nach hinten losgehen. Warum nur kommt niemand in Politik und Medien auf die Idee, dass man denkende MitbürgerInnen auf diese Weise erst recht misstrauisch macht – ja geradezu beleidigt? Gäbe es nicht gute Gründe, den Menschen sorgfältig zu erklären, was es mit angeblich falschen Informationen auf sich hat und wie diese durch fundierte richtige Informationen zu entkräften sind?

Wenn ich mich einfach impfen lassen würde, hier und jetzt, würde ich mir eine Menge Stress ersparen. Wenn ich mich weniger fundiert informiert hätte, wäre es vielleicht dazu gekommen. Ich habe mich informiert, weil ich mich von Corona weniger bedroht gefühlt habe als von einem neuen, rasend schnell entwickelten gentechnologischen Impfstoff.

Unwissenheit in Kauf nehmen, um ein ruhigeres Leben zu haben

Ich kann nichts Unsolidarisches darin sehen, wenn ich mir einen unstrittig wirklich nicht harmlosen Impfstoff nicht spritzen lasse. Ich habe übrigens von Menschen, die mir sehr nahestehen und eine andere Meinung haben, Sätze wie diese gehört: „Wer darüber erschüttert ist, dass einige Menschen an der Impfung gestorben sind, der sollte sich mal klarmachen, wie viele Menschen an Corona gestorben sind.“

Aber ist es nicht ein Unterschied, ob man an einem Impfstoff stirbt, für den unsere Regierenden massiv geworben haben, ohne dass auch nur ein Wort darüber verloren wurde, dass dieser Impfstoff unter Umständen schwerwiegende Nebenwirkungen haben oder – wenn auch sehr selten – töten kann, oder ob man an einem aggressiven Virus stirbt, was ein schreckliches, aber eben auch schicksalhaftes Geschehen ist? Ist es spitzfindig, so zu argumentieren, wie ich es tue? Und ist es abwegig, sich zu fragen, warum sich ein 30-Jähriger ohne Vorerkrankungen dringend impfen lassen sollte, obwohl die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu sterben oder einen schweren Verlauf zu haben, in seiner Altersgruppe sehr gering ist? Andersherum kann ich es aber niemandem übelnehmen, wenn er Unwissenheit in Kauf nimmt, um ein ruhigeres Leben zu haben. Ich verstehe das. Wirklich?

Mechtild Blankenagel ist promovierte Juristin, systemische Beraterin und Schriftstellerin. Sie lebt in Berlin.

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