„Ich bin Trauerbegleiterin.“ Schon der Moment Stille, der nun folgt, erzählt Bände. „Ach je, wie traurig! Wie hältst du das nur aus?“ So oder ähnlich lauten die Reaktionen, wenn ich sage, was ich beruflich mache. Mit dem Tod und den Abschieden ist das nämlich keine einfache Sache – es redet kaum jemand gern darüber. Alt, schwach und müde oder schwer krank sein und schließlich sterben, das gehört in unserem Kulturkreis selten noch ins Leben.

Gestorben wird zumeist im Krankenhaus oder Pflegeheim. Man nimmt es kaum mehr wahr. Sterben und Tod werden dadurch immer abstrakter. Auf dieser Ebene kennen wir uns aus, sehen in jeder abendlichen Nachrichtensendung Tote, und im anschließenden Krimi liegt die Leiche schon im Schuppen. Wir kennen uns aus – theoretisch. Aber kommt uns der Tod zu nahe, delegieren wir an Institutionen: Krankenhaus, Palliativstation, Hospiz, Bestatter. Sie werden schließlich dafür bezahlt, uns den Tod vom Hals zu halten, und wir müssen uns nicht zu sehr mit ihm auseinandersetzen.

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