Das Schicksal von Nahide Opuz ist ein Symbol für unzählige Einzelschicksale von unterdrückten, misshandelten und getöteten Frauen in der Türkei und dem Rest der Welt. Ihre Lebensgeschichte beginnt 1972 in Diyarbakir, wo sie in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Ihre alleinstehende Mutter Minteha Beybur ging eine Ehe mit Abdullah Opuz ein und Nahide wurde1995 mit dessen Sohn, also ihrem Stiefbruder Hüseyin verheiratet. Diese Ehe entwickelte sich für Nahide zu einem Alptraum an Gewalt.

14 Jahre später, 2009, wurde der türkische Staat vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zur Zahlung von 30.000 Euro an Nahide Opuz verurteilt, weil er sie trotz ihrer offenkundigen Notlage und ihrer wiederholten Anrufung nicht vor häuslicher Gewalt geschützt hatte. Ihre Mutter Minteha, die von Hüseyin Opuz im Jahr 2002 auf offener Straße erschossen wurde, bekam Nahide, die die Klage angestrengt hatte, dadurch nicht zurück. Und auch ihre eigenen körperlichen und seelischen Wunden nach jahrelanger schwerer Misshandlung und vergeblichen Versuchen, polizeilichen Schutz zu erlangen, heilten dadurch nicht. 

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