In Ulrichs Geburtsstadt Hannover wurde 2006 eine Verkehrsstraße zur Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße umbenannt.
Quelle: WikiCommons

Bremen - In Deutschland tobt eine Debatte um die Vergangenheit: Immer mehr historische Persönlichkeiten werden am gegenwärtigen Wertekanon bemessen. Während eine Amnesie bei manchen fragwürdigen Nationalhelden, die rassistisch oder antisemitisch dachten, angemessen erscheint, ist es doch überraschend, inwieweit inzwischen rückwirkende politische Korrektheit als Bewertungsmaßstab gilt. Dies funktioniert auch im Sinne einer Aufwertung: Ein frappierendes Beispiel ist die Umbenennung deutscher Straßen und Plätze nach dem deutschen Juristen Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) – wie kürzlich wieder in Bremen. 

Der Soziologe Jörg Hutter erläuterte zum Anlass der Bremer Umbenennung, warum die Erinnerung an Ulrichs essenziell sei: „Wir sehen, dass Ulrichs Thesen und seine Bürgerrechtsarbeit trotz der erlebten Rückschläge vorbildlich und beispielhaft waren“, sagte er und betonte Ulrichs Einsatz für sexuelle Minderheiten. Während Ulrichs als Stonewall-Aktivist ‚avant la lettre‘ begriffen wird, ignoriert man seine Ideen einer holistischen Umgestaltung der Gesellschaft.

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