Halb sechs in der Früh. In den Februarferien der siebenten Klasse konnte das Kind ausschlafen. Die Eltern standen jedoch früh auf, waren im Bad, in der Küche, beim Frühstück. Das Kind hörte leise Radiomusik, Murmeln, Rumpeln von Holz und Kohlen beim Anheizen, sah einen Lichtstreif unter der Tür. Der Vater ging früh zur Arbeit. Die Mutter hatte ebenso wie das Kind Ferien. Wenn die vertraute morgendliche Unrast vorbei war, gab es noch eine kurze Stunde unter der Decke bis zum Aufsteh-Signal der Mutter.

An diesem Tag klingelte es früh um halb sechs an der Wohnungstür. Das Kind schreckte auf. Es hörte nicht die gewohnten Geräusche, sondern lautes Sprechen von Männern, Erwiderungen der Eltern und Unruhe, Türenklappen und Geraschel. Trotz der Neugier siegten Scheu, Schläfrigkeit und die Bequemlichkeit des schlafwarmen Bettes. Dann ging die Tür auf, Flurlicht fiel ins Zimmer, die Mutter beugte sich herab, flüsterte: „Wenn wir bis abends um sieben nicht wieder zu Hause sind, fährst du zu Tante Annemarie und bleibst dort.“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.