Türkischen Medien zufolge sollen 2020 Hunderte türkische Bürger mit offiziellen Dienst-Reisepässen, für die man kein Visum benötigt, nach Deutschland eingereist sein. Unter dem Deckmantel kommunaler Austauschprogramme zur „Förderung der Umwelt“ und anderen sozialen Projekten entsandten zahlreiche türkische Städte ungewöhnlich große Gruppen von offiziellen Delegierten. Zurückgekehrt seien aber nur die Begleiter, hochrangige Kommunal-Beamte, die sich ihre Begleitdienste reichlich belohnen ließen, wie es heißt. Es soll sich dabei um keine Bediensteten und oft nicht einmal Einwohner der Städte gehandelt haben.

Einer der wichtigsten Verhandlungspunkte des EU-Flüchtlingsdeals mit der Türkei waren die in Aussicht gestellten Visa-Erleichterungen für türkische Staatsbürger in die EU. Bis heute wurden diese aber noch nicht umgesetzt, worüber sich die Türkei in letzter Zeit immer weniger echauffiert hat. Für Ahmet Davutoğlu, Ministerpräsident und Verhandlungsführer der Türkei von 2014 bis 2016, war das noch eine persönliche Vision. Er wollte seinen Staatsbürgern die Tore in die EU öffnen. Staatspräsident Erdogan hingegen sieht für türkische Staatsbürger keine Gründe, ausreisen zu wollen, wie er am Sonntag der regierungskritischen Tageszeitung BirGün sagte. Trotzdem sollen einige seiner Anhänger dabei geholfen haben, Türken illegal nach Deutschland einzuschleusen. Ursula von der Leyen erinnerte in Ankara erst kürzlich noch an die Verpflichtungen der Türkei, irreguläre Einreisen in die EU zu verhindern. Sie dachte dabei wohl weniger an türkische Staatsbürger.

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