Als Gedicht für ihre Facebook-Freunde schrieb die belarusische Lyrikerin Julia Cimafiejeva „My European Poem“ wenige Tage vor der Wahl in Belarus, im August 2020. Sie schrieb es auf Englisch, um auf der Social-Media-Plattform von ihren Freunden aus allen Ländern verstanden zu werden. Sie schrieb es auch für sich selbst, um sich so in einer anderen Sprache Mut zuzusprechen, während friedlich Protestierende gefangen genommen, gefoltert, teilweise getötet werden. Sie wählte daher die „Sprache der Menschenrechtsorganisationen“, wie sie im Gedicht ausdrückt.

Wenige Monate später eröffnet das Gedicht auch die Flugschrift „Belarus! Das weibliche Gesicht der Revolution“, die von dem Verlag Edition Fototapeta  herausgegeben wurde. Als eine der ersten größeren Publikationen werden darin die Geschehnisse in Belarus in einer „Geschichtsschreibung des Augenblicks“ festgehalten, wie es in der Vorbemerkung heißt. Ziel ist es, die Vielstimmigkeit der Situation in Belarus einzufangen. Und Gedichte nehmen darin zwischen politischen, historischen oder reflektierenden Einordnungen gleichberechtigt ihren Platz ein. 

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