Es ist 5 Uhr 30 und noch dunkel. Es nieselt. Auf meinem Weg zur Arbeit gehe ich ein Stück durchs Wuhletal. Schon seit einigen Jahren ist das so. Eilig geht es morgens ins Büro, noch eiliger nach Hause und immer durchs Wuhletal. Nie war das Wuhletal für mich etwas Besonderes, auch nicht im Frühling und Sommer. Dinge, die man täglich sieht, sind selten aufregend. Irgendwann machte ich einen kleinen Umweg, später wurden die Umwege länger und ich hatte eine Kamera dabei. Plötzlich fand ich es spannend, bunte Blätter, die im Wasser treiben, zu fotografieren. Und ich war verblüfft, dass das Wuhletal eben keine langweilige Grünfläche ist, auf der es nichts zu sehen gibt.

Ich fotografiere gern und häufig, bis dahin aber meistens im Urlaub: Norwegen, Schweden, Island. Immer sollten die Fotos spektakulär sein. Nun begann sich das zu ändern. Aber erst mal folgte ein trüber, langer Winter ohne spannende Motive. Der nächste Frühling kam. Die Wiesen um den S-Bahnhof Wuhletal sind um diese Zeit häufig in Knallgelb getaucht: im April vom Löwenzahn, im Mai vom Hahnenfuß. Ganz in der Nähe, am Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus, blühen dann vielleicht gerade Obstbäume, die dort kleine Alleen bilden. Eine Allee aus hoch gewachsenen Zierkirschen gibt es direkt auf dem Gelände des Krankenhauses, zur Blütezeit ein echter Hingucker. Als Großstädter hatte ich immer das Gefühl, vom Wechsel der Jahreszeiten wenig mitzubekommen. Mit meinen Streifzügen änderte sich das. Irgendwann hatte ich Lust auf mehr und machte Ausflüge an Wochenenden.

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