Potsdam - Es ist Anfang November, ein kühler Morgen. Der Tau glitzert auf den Wiesen im Park Sanssouci, welke Blätter fallen nässeschwer von den Bäumer herab und am anderen Ende der kilometerlangen Hauptachse quer durch den Park schimmert das Neue Palais durch den lichten Nebel. Es ist früh, Angestellte der Stiftung sind damit beschäftigt, Hunderte Skulpturen in hölzerne Schutzhäuschen einzupacken. Es scheint, als legten sie den steinernen Engeln und Heldenfiguren graugrüne Mäntel und Kapuzen um. Gegen Nässe, gegen Schnee und gegen den Frost.

In den letzten Wochen haben die Arbeiter bereits mehr als 1000 Kübelpflanzen in die Orangerie gebracht, traditionell ein Event, sogar die überregionale Presse berichtet regelmäßig. Außer den Arbeitern sind – Homeoffice sei Dank – bereits einige Menschen im Park: Junge Väter mit hippen Bärten schieben, das iPhone am Ohr, Kinderwagen vor sich her. Joggerinnen in knalligen Funktionsjacken ziehen ihre Runden. Auch Hundebesitzer sind zu sehen. Und alle gehen, telefonieren, schieben und joggen vorbei an einem bunten Lumpenhaufen, der neben einer Bank, direkt auf der breiten, nassen Flanierachse liegt. Aus der Entfernung kann man es für Müll halten. Je näher man aber kommt, desto mehr wird klar, dass der Haufen aus einer abgewetzten Decke, einem schmuddeligen Schlafsack und einer Isomatte mit wenig Luft besteht. Der Schlafsack ist nicht leer.

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